Alverdissen helau – ein Dorf steht Kopf

Barntrup-Alverdissen (ar). „Das Frühjahr kommt, es bleibt länger hell – und unser Bürgermeister heißt immer noch Schell.“ Diesen Satz hatte der nunmehr amtierende Karnevalsprinz Thomas I. (Schwekendiek) in seiner launigen Antrittsrede an das Ende eines jeden Verses gesetzt, und jedes Mal tobte das Publikum. Mit seiner Prinzessin Irina I. brachte er Glamour auf die große Bühne der Mehrzweckhalle, für das umfangreiche Programm unter dem Titel „Wir tauchen ab in vergangene Welten und feiern unsere Kindheitshelden“ sorgten rund 70 der Mitglieder des gastgebenden Vereins „Carnevalos“.

In einer kurzen Zeremonie löste das neue Prinzenpaar mit Dank für die perfekte Regentschaft das vorherige mit Jörg II. und Hille I. ab, sodass Jörg Marner sich seiner Funktion als Sitzungspräsident widmen konnte. Und was dann auf der Bühne abgeliefert wurde, war eine Show erster Güte, gespickt mit einem Höhepunkt nach dem anderen. Allerdings sah man die Höhepunkte ebenso vor der Bühne, hatten sich doch die Alverdisser total in Schale geworfen. So bunt und aufwendig wie der Saal mit Luftballons, Girlanden und stilvoller Tischdekoration geschmückt war, so präsentierten sich die Narren. Unter den fantasievollen Kostümen, teils von der Stange, vieles selbst gemacht, sah man die skurrilsten Entwürfe und die kreativsten Make-ups, die man sich vorstellen kann. Hexen, Magier, Musketiere oder wandelnde Bilderrahmen bevölkerten die Tische, Bäuerinnen, Teufel und die ganze Phalanx der „Gentlemen“ sorgten für ein farbiges Bild und waren schon beim Eintritt bester Stimmung.

Als Cowboy erschien Bürgermeister Jürgen Schell, während Dr. Axel Lehmann im noblen Sakko wohl als Landrat verkleidet erschien. An den langen Tischen flossen die Getränke und DJ Matthes hatte die passende Musik und auch den Tusch an der meist richtigen Stelle parat. Kein Hänger, keine Lücke, der straffe Ablauf hielt das Saalvolk bei Laune und ließ keine Langeweile aufkommen.

Souverän moderierte Tamara Rose den Ablauf, begrüßte Gäste und Ehrengäste und lieferte so den roten Faden durch die Veranstaltung. Mitten durch den Saal marschierte der Elferrat ein, gekleidet in weiße Bademäntel und mit roten Boxhandschuhen ausgestattet, und das Publikum erhob sich von den Plätzen. Ebenso, als die alten und neuen Königspaare durch die Reihen schreiten, geleitet von den kleinen „Funken“. Und die hatten, kaum dass es sich das Prinzenpaar unter seinem erhöhten Baldachin bequem gemacht hatte, ihren großen Auftritt. Toll, wie diese Jüngsten schon komplizierte Schrittfolgen beherrschten und sich nach einem fetzigen Auftritt zur Schlusspyramide formten. Auch die „Kids“, die seit Oktober ihren Part geprobt hatten, erhielten johlenden Beifall, da kochte die Stimmung im Saal.

Für eine Unterbrechung der Tanznummern war Angie Quast zuständig, die in ihrer Büttenrede „zweideutige Kindersendungen“ aufs Korn nahm und die Zuhörer mit ebenso zweideutigen Originalbeispielen köstlich amüsierte. Fantasievolle Outfits machten bei den verschiedenen Tanzdarbietungen den großen Unterschied aus. So tobte der Saal schon als „Ken“ angekündigt wurde, worauf sogleich eine ganze Schar „Barbies“ aus den Kulissen erschien und in einer anspruchsvollen Choreografie die Beine warf. Pfiffig gekleidet wie Eton-Schüler machten die „Teens“ mit ihrem High School Musical Furore. Das hatte Stil, das hatte Pep.

Gänzlich aus dem Häuschen geriet das Narrenvolk, als das Männerballett seinen ersten Auftritt hatte. Unter dem Thema „Baywatch“ tobte da eine Crew über die Bühne, der man den Spaß an ihrer Aufführung anmerkte und die ihr Bestes gaben.

Überhaupt zeigten sich alle Akteure in überragender Form. Ob es Tamara Rose mit einem Quiz, Lena Schalofsky mit dem Kostümwettbewerb, der Schwarzlichttanz der Frauen oder die knackige Büttenrede von Vereinspräsident Michael Braatz war, das Alverdisser Publikum genoss einen großartigen Abend, dem das Männerballett mit seinem „Alm-Tanz“ und der schmissige Can Can der Frauen noch die Krone aufsetzte.

Ach ja: ... und der Bürgermeister heißt immer noch Schell.