Wie geht es nach dem Abitur weiter?

Barntrup (nl/red). „Abitur – und wie weiter…?“ – Diese Frage stellten sich auch die Schüler der Jahrgangsstufe Q1 am Gymnasium Barntrup. Inzwischen dürfte den 86 Jugendlichen die Antwort leichter fallen, denn sie haben an einem zweitätigen Workshop teilgenommen, um sich mit ihren individuellen Stärken und Wünschen auseinanderzusetzen und daraus konkrete Vorstellungen für ihren zukünftigen Beruf abzuleiten. Ermöglicht wurde das Projekt auch in diesem Jahr durch die finanzielle Unterstützung der Agentur für Arbeit Detmold, der Kommunalen Koordinierungsstelle Schule–Beruf und nicht zuletzt der Osthushenrich-Stiftung.

Das Programm „Abitur – und wie weiter...?“, das der in Bielefeld ansässige Bildungsträger Dimension 21 anbietet, wird am Gymnasium Barntrup inzwischen seit 2012 durchgeführt, um Schülern rechtzeitig vor dem Abitur die Möglichkeit zu geben, sich auf die anstehenden Entscheidungen in Bezug auf Beruf und Karriere vorzubereiten. Viele Schüler beginnen erst spät mit der Weichenstellung für ihre berufliche Zukunft, mit der Gefahr Bewerbungsfristen für Studien- oder Ausbildungsplätze zu verpassen. Außerdem fühlen sich viele mit der schieren Menge an Möglichkeiten für Ausbildung und Studium überfordert.

Studium nach dem

Abi ist nicht

mehr erste Wahl

Gabriele Schmuck, Schulleiterin des Gymnasiums Barntrup: „Die Schülerschaft ist zunehmend heterogener. Das Studium im Anschluss an das Abitur ist gar nicht mehr erste Wahl. Eine Duale Ausbildung hat deutlich an Attraktivität gewonnen. Deshalb ist ein Programm wie „Abitur – und wie weiter...?“ mit einem ergebnisoffenen Ansatz so wichtig. Die individuelle Begleitung muss dabei im Mittelpunkt stehen.“

Hier setzt das Programm an, bei dem zunächst in Kleingruppen unter Anleitung erfahrener Trainer Aspekte der Selbst- und Fremdeinschätzung genutzt werden, um sich der eigenen Stärken und Prioritäten im Leben bewusster zu werden. Ayline Klenke, Schülerin der Q1, Gymnasium Barntrup: „Die Trainer waren super. Man merkte, dass sie persönlich engagiert sind. Besonders hat mir aber die Zusammenarbeit mit meinen Freunden gefallen, die alle ernsthaft bei der Sache warn. Toll waren beispielsweise die Übungen, bei denen wir von den anderen Mitschülern eingeschätzt wurden. Ich habe viel erfahren, wie mich andere sehen.“

In einem zweiten Schritt werden die gewonnenen Erkenntnisse konkretisiert und in Richtung auf bestimmt Fähigkeiten und Kompetenzen gelenkt, die in unterschiedlichen Branchen und Berufsfeldern wichtig sind. Nach einer mehrwöchigen Pause, in der die Schüler konkrete „Hausaufgaben“ erledigen sollen und gezielt Informationen zu ihren Schwerpunkten recherchieren, folgt dann noch einmal ein Einzelgespräch mit den jeweiligen Trainern, bei dem die Ergebnisse reflektiert werden. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Schüler danach sehr viel genauere Vorstellungen über ihre Zukunft entwickelt haben und besser in der Lage sind, konkrete nächste Schritte in diese Richtung zu unternehmen, wie auch die Rückmeldungen der Schüler bestätigen.

Flankiert wird das Programm durch zeitnah stattfindende Einzelgespräche mit Simone Wils, der Beraterin für Berufs- und Studienwahl der Agentur für Arbeit, die dazu an mehreren Tagen in die Schule kommt und die Ergebnisse des Workshops aufgreift. Wils: „Die Berufswahl ist ein Prozess, in dem viele einzelne Bausteine wertvolle Hinweise auf die persönliche Zielsetzung geben können. In den Perspektivgesprächen nach dem Projekt werden diese Hinweise für eine individuelle Zielfindung und die Absicherung der Planungen genutzt.“ Simone Seidensticker-Block, verantwortliche Lehrerin bekräftigt: „Die Abfolge der Elemente der Studien- und Berufsorientierung an unserer Schule ist in einer logischen Reihenfolge aufgebaut, in der die Perspektivgespräche eine wichtige Rolle spielen.“

Das Projekt „Abitur – und wie weiter...?“ hat einen festen Platz in der Berufsorientierung. Gabriele Schmuck: „Wir sind sehr dankbar, dass nicht nur die Agentur für Arbeit in Detmold und die Kommunale Koordinierungsstelle Schule - Beruf des Kreises Lippe einen erheblichen Beitrag zu den Kosten leisten, sondern insbesondere auch die Osthushenrich-Stiftung vom Erfolg des Projektes überzeugt ist und die Finanzierung von Anfang an substantiell unterstützt hat.“ Und wie sieht die Zukunft des Projektes am Gymnasium Barntrup aus? Dazu Gabriele Schmuck: „Es soll auf jeden Fall weitergeführt werden.“