Trecker-Willi: Er ist wieder auf großer Tour

Kalletal-Lüdenhausen (ar). „Robert“ ist startklar, „Schnecke“ auch. Und so kann „Trecker-Willi“ sich wieder einmal auf den Weg machen. Den fast 83-jährigen Winfried Langner hat erneut das Reisefieber gepackt. Wie schon öfter, denn dann zog es ihn mal in 23 Tagen nach Mallorca, mal in fünf Monaten zum Nordkap, und im letzten Jahr sogar nach Russland. Immer auf dem Bock von „Robert“, seinem Deutz-Trecker aus dem Jahr 1961, und hinten dran „Schnecke“, seinen Eriba-Puck-Wohnanhänger. Auf dem Hof von Heinrich Brunemeier in Kalletal-Lüdenhausen fiel kürzlich quasi der Startschuss, verabschiedete er sich doch dort von seinen Treckerfreunden und musste danach erst wieder zurück an seinen Wohnort Lauenförde.

Am vergangenen Sonntag, am 12. Mai, ist er nun aufgebrochen. Punkt zehn Uhr wurde er von Bürgermeister und Spielmannszug auf die Reise geschickt, dann gings los in Richtung Amsterdam. Sein großes Ziel ist in diesem Jahr Schottland. Und da hat er sich ganz schön was vorgenommen. 3.500 Kilometer oder noch einiges mehr im Tempo von 18 km/h, „da werde ich so fünf bis sechs Monate brauchen,“ stellt er fest.

Sprachprobleme sieht er nicht, „das geht dann mit Händen und Füßen.“ Von Amsterdam wird er nach Newcastle übersetzen, dann geht es in Richtung Edinburgh und weiter nach Nordosten bis Aviemore und Inverness. Sogar ein Abstecher auf die Orkney-Inseln ist geplant, und wie bei weiteren Inseln an der Westküste wird er sich mit seinem Treckergespann auf kleine Fähren begeben und zwischen Schafen und Touristen eine Attraktion darstellen.

Auf seinen bisherigen Reisen hat er vieles dem Zufall überlassen, denn mit „Robert“ und „Schnecke“ fand er immer Treckerfreunde vor Ort, die ihm weiterhalfen oder Probleme lösten. Ein Stapel Landkarten, denn ein Deutz-Trecker kommt ohne Navi aus, eine Menge Dosenverpflegung, reichlich Getränke in seinem Wohnanhänger und ein paar Medikamente für den Notfall, das ist alles an Ausrüstung, was er mittransportiert.

In Schottland gibt es schließlich Läden wie bei uns. Zuhause hält seine Tochter den Kontakt für den Notfall, doch konnte „Trecker-Willi“ bisher auftretende Probleme selbst lösen. An der Westküste wird er nach Süden umkehren, einige Inseln besuchen und Kurs auf Glasgow nehmen. Je nach Laune und Zeitpolster geht’s nach Newcastle und zurück auf den Kontinent – oder einfach zuvor etwas weiter durch Schottland.

Der Abschied bei Heinrich Brunemeier barg jedoch noch eine amüsante Besonderheit. Denn unter den Treckerfreunden befand sich auch Inge Fälchle. Die ehemalige Langenholzhäuserin war im Jahre 2014 als erste Frau mit einem Trecker zum Nordkap gefahren, einem Kramer KL 11, Baujahr 1955, und ganze 11 PS stark, hinten dran einen kleinen, in den Farben des Treckers gestrichenen Wohnanhänger. Ohne Verdeck oder Wetterschutz hatte sie ein Jahr vor „Trecker-Willi“ die rund 6.000 Kilometer lange Tour gemeistert, eine weitere Fahrt führte sie 2017 nach Skagen an die Nordspitze von Dänemark. Mit 14 km/h Spitze tuckerte sie über diese Distanz, zeitweise auf der Hinfahrt von ihrer Tochter begleitet, auf der Rückfahrt von ihrer Schwester.

Bei Heinrich Brunemeier kamen die beiden „Geschwister im Geiste“ nun erstmalig zusammen, und, wer weiß, vielleicht ergibt sich ja im nächsten Jahr eine gemeinsame Tour. Neugierig auf Neues, fit und mit zuverlässigen Treckern unter sich, da muss man mit allem rechnen.