Seit 30 Jahren unterwegs

Kalletal (fmt). Im Jahr 1989 wurde der Bürgerbusverein Kalletal im Rahmen eines gemeinsamen Pilotprojektes des Landes Nordrhein-Westfalen und des Bundes ins Leben gerufen, um, gemeinsam mit fünf weiteren Modellversuchen in NRW, Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung von öffentlichem Personennahverkehr ‚auf dem Lande‘ zu erkunden und diese praktisch umzusetzen. In OWL war der Bürgerbus Kalletal der Erste. Jetzt feierte der Verein sein dreißigjähriges Bestehen. Dazu waren nicht nur befreundete Vereine sondern auch viele geladene Gäste nach Hohenhausen gekommen. Das Programm der Feierstunde beinhaltete u.a. Grußworte, Beiträge aus der 30jährigen Vereinsgeschichte, Ehrung und Dank für die ehrenamtlich Tätigen. Für die musikalische Unterhaltung sorgten Werner Strootmann und Timor Isakow von der Musikschule der Gemeinde Kalletal. Den Festvortrag hielt Achim Oberwöhrmeier, Geschäftsführer der KVG Lippe, unter dem Titel: “Rückblick und Perspektive. Ein spannender oder gewagter Blick in die Zukunft des ÖPNV, mit oder ohne Bürgerbusse.

Doch zunächst begrüßte Reinhold Rieger die zahlreichen Gäste nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken im PZ der Grundschule Hohenhausen. Er erinnerte an die erste Fahrt die von Volker Aust durchgeführt wurde und nur einen Fahrgast hatte. „Doch das änderte sich schon im zweiten Jahr. Da waren wir schon im grünen Bereich. Im dritten Jahr hatten wir unsere Kapazitäten schon überschritten“, erinnerte sich der Vorsitzende. Im Jahr 2015 kam „Der Kleine Kalle“ hinzu und aktuell haben wir 173 Tausend Fahrgäste im Jahr.“

Aber Rieger sprach auch die Zukunft an. „Da wird es für die Fahrzeughersteller schwierig werden auf Grund der neuen Bestimmungen und Fahrzeugantriebe Busse zu liefern die unter 3,5 Tonnen wiegen. Darüber aber dürfen wir mit unseren Führerscheinen nicht mehr fahren, was bedeutet, dass die Fahrer extra Busführerscheine machen müssen. Dies würde sicher das Aus für die Vereine bedeuten die auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Fahrer angewiesen sind. Hier muss die Politik dringend handeln“, sagte er an die politischen Vertreter des Bundes und der Landespolitik. Bürgermeister Mario Hecker sagte, dass der Bürgerbus Mobilitätslücken in der Gemeinde schließe und dies ein großer Verdienst aller ehrenamtlicher Fahrer sei. Der stellvertretende Landrat Kurt Kalkreuter meinte, dass die große Bürgerbusfamilie das Kalletal zusammenbringe. MdB Kerstin Vieregge(CDU), bezeichnete den Bürgerbus gar als leuchtendes Beispiel für andere Regionen und MdL Jürgen Berghahn(SPD),sagte: „Ich erwartet schnelle positive Ergebnisse im Hinblick auf die zu erwartenden Zulassungsbeschränkungen. Der Bürgerbus muss weiterfahren.“ Franz Heckens, Vorsitzender von Pro Bürgerbus NRW, lobte vor allen Volker Aust der von Beginn an Ideengeber gewesen sei und immer konstruktiv auf Landesebenen mitgearbeitet habe.

Achim Oberwöhrmeier, sagte in seinem Vortrag, dass der Bürgerbus mit seinen Ehrenamt an seine Grenzen stoße. „Aber der Bedarf ist nach wie vor da und wird auch zukünftig da sein. „Da wo es ihn gibt hat er eine hohe Wertschätzung und sollte auch in der zukünftigen ÖPNV-Planung eine wesentliche Rolle spielen“. Deutschlandweit gibt es derzeit 137 Bürgerbusvereine. Der Bürgerbusverein Kalletal hat 52 Mitglieder, davon 31 Aktive, eine Fahrerin und 27 Fahrer sind unterwegs. Seit April 2016 ist das fünfte Fahrzeug, erstmals voll behindertengerecht, unterwegs. Es können dadurch jetzt auch Kinderwagen, Rollatoren und Fahrräder mitgenommen werden. Es dürfen max. 8 Fahrgäste befördert werden. go.on als Konzessionär übernimmt die Betreuung, fachliche Schulung und betriebliche Beratung im Bedarfsfalle. Die Gemeinde Kalletal übernimmt die finanzielle Verantwortung für entstehende Defizite und sichert politisch den Bestand des Vereins. Der Bürgerbusverein organisiert den Fahrplan, wirbt und betreut Fahrerinnen und Fahrer und organisiert das gesamte Geschehen.