Das Plumpsklo spielt eine wichtige Rolle

Silixen (ar). Eine überaus gelungene Premiere ihres Stückes „Modenschau im Ochsenstall“ in drei Akten von Jonas Jetten konnte das Freizeittheater Silixen jüngst vor vollem Haus und einem begeisterten Publikum in der Aula der Grundschule feiern. Theater in Silixen ist gemütlich, und so traf man sich im Foyer gleichzeitig zum Klönen und zu Vermutungen, wie sich die Schauspieler, die allesamt in Silixen bekannt sind, wohl auf der Bühne geben würden.

Und die Rollen waren hervorragend besetzt. In der Hauptrolle Dirk Schröder als verschuldeter Bauer Paul Hartmann, der mit seinem Hof kurz vor dem Ruin steht, an seiner Seite als resolute Ehefrau Mathilde steht Regina Ließ. Den beiden merkt man die Spielfreude an, denn sie haben ein tolles Gespür für normale Dialoge und situationsbedingte Übersteigerungen. Konsequent werden im Verlauf die Klatschweiber des Dorfes eingeführt. Da ist Klementine Dreist (Alina Schenn), die Geheimnisse so sicher verwahrt wie ein Banktresor, und von denen dann im Dorf sofort jeder weiß. Da ist Maria Böttcher, die als Sophia Meier genauso dreist agiert, und die schwatzhafte, zappelige Gerda Ungestüm, gespielt von Kira Wallenstein.

Eine wichtige Rolle spielt im ersten Akt das alte Plumpsklo auf dem Hartmannschen Hof, auf das gleich mehrere Akteure aus drängenden Gründen verschwinden und in ihrer Abwesenheit durch das Herzchen in der Tür Neuigkeiten erfahren, die davor von anderen Protagonisten ausgetauscht werden. Man ahnt die Verwicklungen, die sich anbahnen. Bauer Paul Hartmann wird von seinem Freund Franz Stolz (Ole Bösing) auf die Idee gebracht, seinen Hof durch die Durchführung einer Modenschau zu sanieren, was mithilfe der Modelagentur „Moppel“ auch angeschoben wird. „Mollige Models – da hätten wir doch gleich unsere Frauen nehmen können,“ grantelt Paul, doch die Verwicklungen bieten eine Steigerung. Durch Briefe in einem Karton, den Paul auf dem Dachboden gefunden hat, erfährt er, dass er eine Halbschwester hat, denn sein Vater war anscheinend im Dorf so eine Art Don Juan. Die drei Klatschweiber halten sich jeweils für die Halbschwester des Bauern, hätten doch ihre Mütter allesamt ein „besonderes Verhältnis“ zu Hartmann Senior gehabt.

Hier verläuft ein zweiter Handlungsstrang, der sich erst zum Schluss auflösen wird. Viel Situationskomik, knallharte witzige Dialoge, tolle schauspielerische Leistungen und ein stimmig gestaltetes Bühnenbild tragen die Handlung. Gelegentlich hört man im Hintergrund das Muhen des neu angeschafften Bullen Bruno, der eigentlich für den Fortbestand des Hofes sorgen soll, indem er reichlich Nachwuchs produziert und damit eine Rinderzucht anschiebt. Doch „der Bulle weigert sich, er steht nicht auf Frauen,“ bedauert Paul Hartmann, und dass ein in den Hof hereingeschneiter Besucher auch Dr. Bruno Braun (Michael Knöner) heißt, löst weitere Verwicklungen aus. Bruno und Bruno, der eine schwul, der andere mit rosa Socken, das kann nicht gutgehen.

Doch schließlich findet die Modenschau statt, das Publikum spielt das Publikum der Schau, die Jury besteht, und das ist eine echte Überraschung, aus den drei Klatschweibern, alle chic und auffallend gewandet. Die Moderation der Schau liegt bei Otto Esser, dem Dorfpostboten (Michael Weber). Dann treten die Models auf, und das Publikum liegt vor Lachen flach. Denn die Herren der Schöpfung haben sich in die Kleider der Modelagentur „Moppel“ geworfen, weil die eigentlich gebuchten Damen durch einen Autounfall verhindert waren. Und das Glück nimmt seinen Lauf. Alles ordnet sich in logischer Auflösung, das Happy End begeistert die Zuschauer, und mehr wird nicht verraten, denn man sollte sich das lohnende Stück am 9. November um 19.30 Uhr unbedingt einmal selbst anschauen.