Postagentur jetzt auf Tankstelle

Kalletal-Hohenhausen (rto). Wie berichtet ist der Vertrag der Post mit dem Edeka-Geschäft Röthemeier aufgehoben. Die Vertragspartner konnten sich für die Zeit nach dem Umbau nicht auf einen Verlängerung einigen. Seit Dienstagmorgen ist die Postagentur nun auf der Tankstelle von Holger und Merle Ehm zuhause. Postkunden müssen jetzt für ihre Päckchen und Pakete, Briefe und Briefmarken zur Oil-Tankstelle fahren.

Viele der ersten Kunden zeigten sich am Dienstagmorgen verärgert. Sie waren zunächst zu Röthemeier gefahren um dort zu erfahren, dass die Postagentur jetzt auf der Tankstelle ist. „Diesen Menschen kann ich nur sagen, wenn es das Ehepaar Ehm nicht gemacht hätte, dann wäre die nächste Postagentur für das Kalletal in Vlotho oder Lemgo. Ich habe im ganzen Dorf für unsere Agentur geworben, aber niemand, außer dem Ehepaar Ehm, wollte es machen“, sagt Thomas Kohlmeier, Betreuer der Postfilialen für den hiesigen Raum.

Für ihn ist das eher unverständlich, denn nach seiner Aussage bringt so eine Agentur viel neue Kunden ins Geschäft. Jetzt steht er Merle Ehm und ihren Mitarbeiterinnen bis kommenden Montag zur Einarbeitung zur Seite. Sie und ihre Mitarbeiterinnen waren in den letzten Wochen zu einem Lehrgang, um das Geschäft mit der Post abwickeln zu können. Denn, so die Geschäftsfrau, es sei doch etwas anders als das Paketgeschäft mit Hermes, was sie bisher schon auf der Tankstelle durchführten.

Manuel Beinecke aus Harkemissen findet es nicht so schlimm, dass die Post jetzt hier am Dorfeingang ist. „Ich hoffe, dass es jetzt hier besser wird, am alten Standort wurde die Post ja oft sehr stiefmütterlich behandelt“, sagt er.

Auch Rolf Antkewitz ist es egal, wo er seine Briefmarken holt. „Es hat ja doch immer noch fast jeder ein Auto“, sagt er zu den Frauen, die hinter ihm stehen und über die neue Situation schimpfen. Vor allem eine der Damen - sie möchte namentlich nicht genannt werden - ist sichtlich erbost darüber, dass sie ihr Hermes-Paket jetzt nicht mehr im Kalletal loswerden kann. Denn Post und Hermes parallel, das geht nicht: Folglich wurde die Hermes-Agentur auf der Tankstelle abgegeben. Mit siebzig bis achtzig Paketen täglich rechnet Merle Ehm jetzt und hat dazu auch den entsprechenden Lagerraum geschaffen. Rund fünfzig Pakete liegen hier auch durchschnittlich zur Abholung bereit. Thomas Kohlmeier, Postfilial-Betreuer, setzt noch eins drauf und sagt, dass jährlich rund 60.000 Pakete im Kalletal anfallen. „Der Markt wächst zweistellig. Wir rechnen ab 2025 sogar mit einer Verdoppelung bundesweit“, fügt er an. Gut, dass das Ehepaar Ehm platztechnisch bereits vorgesorgt hat. Neben 36 Postfächern, die jetzt ebenfalls in der Tankstelle untergebracht sind, ist seit Dienstag dort auch ein Briefkasten aufgebaut worden, der täglich einmal geleert wird.

Doch die Freude wird auch getrübt: Etwas verärgert sind die Ehms darüber, was in den sozialen Netzwerker derzeit alles an Unsinn über sie verbreitet wird. „Wir haben die Post nicht abgeworben. Wenn wir es nicht gemacht hätten, dann gäbe es hier schlichtweg keine Postagentur mehr“, betont Holger Ehm vehement.