Extertal-Bösingfeld (red). Der Heimat- und Verkehrsverein Bösingfeld lädt ein zu einer besonderen Veranstaltung gegen das Vergessen: Am Dienstag, 10. Februar, sind die „Stimmen des Holocaust“ Thomas Gabelin und Louis Pawellek zu Gast. Beginn ist um 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) in der Aula der Sekundarschule Nordlippe.
Louis Pawellek (27 Jahre) und Thomas Gabelin (80 Jahre) verbindet eine ungewöhnliche enge Freundschaft. Der junge Buchautor und der KZ-Überlebende setzen sich gegen das Vergessen und für das Erinnern ein. Thomas Gabelin zählt zu den letzten in der Öffentlichkeit aktiven Überlebenden des Holocausts.
Zuletzt erschien ein neues gemeinsames Buch von Thomas Gabelin und Louis Pawellek. Es trägt den Namen „Es gab mehr als nur Auschwitz-Gedenkorte, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen“. In dem Buch hat Pawellek 17 eher unbekanntere Orte des Naziverbrechens in ganz Europa besucht, die mit vielen Bildern und Erklärungen vorgestellt werden. Das KZ und Ghetto Theresienstadt, welches Thomas überlebte, ist einer dieser Orte. Pawellek ist im Lipperland bekannt durch sein Engagement gegen das Vergessen. Er ist erfolgreicher Buchautor und Content-Creator und erreicht in der gemeinsamen Arbeit mit den Überlebenden auf TikTok, Instagram und Facebook Millionen von Menschen. An dem Abend in Bösingfeld wird es nach dem Multivisionsvortrag auch originales Anschauungsmaterial, wie Häftlingsbriefe aus dem KZ Auschwitz, Judenstern, Postkarten oder Ghettogeld aus Theresienstadt sowie viele weitere Museumsstücke geben. Zudem wird auch eine Vielzahl von mahnenden und bewegenden Filmausschnitten weiterer mitwirkender KZ-Überlebenden aus anderen Buchprojekten von Louis Pawellek gezeigt.
Als besonderer Ehrengast wird der Holocaust-Überlebende Thomas Gabelin dabei sein. Geboren am 21. Dezember 1944 im Ghetto/KZ Theresienstadt. Vater und Mutter wurden durch eine jeweils jüdische Großmutter als „Halbjuden“ angesehen. Sie wurden in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Zu diesem Zeitpunkt war die Mutter mit Thomas hochschwanger. Statt Vorzeigeghetto und Propagandabeschönigung durch den Film: „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“, erwarteten die Eltern und auch Thomas als Baby unmenschliche Dinge. Die Unterbringung und die Zeit in Theresienstadt waren unbeschreiblich grausam. Thomas Gabelin war als Baby in der Hohenelber Kaserne (der KZ-Klinik) übersät von Läusebissen. Es gab kein Wasser, deshalb musste der geschmolzene Schnee zum Leben ausreichen. Von 9.000 in Theresienstadt inhaftierten Kindern überlebten nur 100 und entkamen den Gaskammern von Auschwitz. Thomas ist eines dieser Kinder.
Im Anschluss an die Lesung und Diskussionsrunde können dem Buchautor und dem Holocaust-Überlebenden Fragen gestellt werden. Die Veranstaltung wird organisiert durch den Heimat- und Verkehrsverein Bösingfeld und findet statt in Kooperation mit der Sekundarschule Nordlippe und der Initiative „Extertal für Demokratie und Toleranz“.
Die Karten sind im Vorverkauf erhältlich für zehn Euro bei folgenden Vorverkaufstellen: Apotheke in Almena, Hauptstraße 36, Frisör Schröder, Heidelbecker Straße 5, Nahkauf, Mittelstraße 27, Sternberg-Apotheke, Mittelstraße 5 und bei www.eventim.de.