Kalletal-Hohenhausen (rr). Mit 16 Ja-Stimmen gegen acht Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen gab der Kalletaler Rat am Dienstagabend im Bürgerbegegnungszentrum grünes Licht für das bis dahin heiß diskutierte Darlehen über 300.000 Euro für den weiteren Erhalt des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Ohne dieses stünde das MVZ vor einer Insolvenz.
Das Bürgerinteresse war derart riesig, dass noch zusätzliche Stühle in den Sitzungssaal getragen werden mussten, und auch ein Fernsehteam war angerückt. Zu Beginn des Tagesordnungspunktes projizierte Bürgermeister Mario Hecker noch einige Informationen, aus denen hervorging, dass die Patientenzahl des MVZ mit Stand 16. Januar 2026 nunmehr bei 1.730 liege und seit dem 5. Januar 2026 dreimal wöchentlich eine Kinderärztin vor Ort sei. Dazu hatte der Zulassungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen für den Regierungsbezirk Detmold am 15. Januar mitgeteilt, dass die Antragsunterlagen dazu vollständig seien, weitere Anträge nicht vorlägen, und der Zulassungsausschuss am 25. Februar entscheiden werde. Dann würde eine Zulassung zum 1. März erfolgen.
Ingo Mühlenmeier, Fraktionschef der Unabhängigen Kalletaler Bürger (UKB) erklärte in einem Statement die UKB für befangen und wies auf teils massive Drohungen hin, denen ihre Mitglieder und er selbst ausgesetzt gewesen seien. Diesen Umgang im politischen Diskurs kritisierte er scharf und erklärte die Fraktion für befangen. Darauf verließ die UKB den Saal und nahm an der Abstimmung nicht teil.
Julian Gerber, Fraktionsvorsitzender der CDU, ging in seinem Statement noch einmal kurz auf die Gründe der Ablehnung des Darlehens durch die Fraktion ein, sagte aber auch: „Es gibt eine große Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern, die vom Rat erwarten, dass ein Darlehen gewährt wird, und die für unsere Argumente kein Verständnis haben. Das respektieren wir, wie es sich für Demokraten gehört.“ Besondere Kritik übte er an der Geschäftsführung des MVZ. „Mit der Geschäftsführung wird das MVZ nicht erfolgreich sein. Wir werden beantragen, dass die Gesellschafterversammlung die Stelle der Geschäftsführung zeitnah neu besetzt, dass sich die GmbH für Investoren öffnet, entsprechende Gespräche führt und zeitnah einen Wirtschaftsprüfer einsetzt.“ Dem schloss sich Manfred Rehse, Fraktionsvorsitzender der SPD, in seinem Beitrag an. „Ausdrücklich begrüßt die SPD-Fraktion jedoch den von der CDU angekündigten Antrag zur Schaffung struktureller Veränderungen, die auch wir fordern. Ziel ist eine transparente, professionelle und wirtschaftlich tragfähige Führung des MVZ – im Interesse der Beschäftigten, der Patientinnen und Patienten sowie der Gemeinde Kalletal.“ Zudem legte er Wert auf den Standpunkt der SPD und der Grünen, das MVZ in seiner Arbeit und Zukunftsfähigkeit positiv zu beurteilen.
Insgesamt war bei den drei Fraktionen deutlich spürbar, dass man die Wogen der Vergangenheit glätten und in gegenseitigem Respekt wieder zu einer vertrauensvollen und gemeinsamen Ratsarbeit zurückkehren will.