Kalletal-Kalldorf (rr). Wie in einer Zeitmaschine um 67 Jahre und neun Monate zurückversetzt fühlten sich die zahlreich anwesenden Kalldorfer Bürger am Dienstagabend vor dem Dorfgemeinschaftshaus, als Zeitzeuge Hartmut Dreischmeier zur Bügelsäge griff und sie an der kupfernen Röhre ansetzte.
Assistiert von Hermann Kreie sägte er den angelöteten Deckel des 50 Zentimeter langen Behälters vorsichtig auf, und Dirk Küster von der CDU Ortsunion Kalldorf zog weißbehandschuht umsichtig den Inhalt heraus.
Was da vor den Augen des staunenden Publikums ans Licht kam, ist ein Stück Zeitgeschichte. Denn diese Zeitkapsel war bei Abrissarbeiten auf dem Meyra-Gelände dort gefunden worden, wo einst, nämlich wohl am 24. Juli 1958, der Grundstein für die damalige Volksschule gelegt worden war.
Allerdings war die genaue Lage der Zeitkapsel unklar, weshalb ihre Position mithilfe von Zeitzeugen, alten Fotos und eines Metalldetektors herausgefunden werden musste. Dazu hatte der neue Eigentümer des Geländes, Lars Hölkemeier, seine Zustimmung erteilt, und Hartmut Dreischmeier, Herbert Engelhard, Hermann Kreie und Dirk Küster machten sich mit Bohrhämmern und Schaufeln an die aufwendige Handarbeit.
Michael Schmidtke von der Firma Rosemeier, die den Rückbau des Gebäudekomplexes durchführte, gelang mit seinem Bagger schließlich der Durchbruch, und am 24. März dieses Jahres konnte Vollzug gemeldet werden.
Dirk Küster nahm die unbeschädigte Zeitkapsel aus Kupferblech, das inzwischen eine ordentliche Patina angesetzt hatte, entgegen. Vor der Öffnung der Zeitkapsel gab Dirk Küster noch einen Überblick über die Suchprozedur und erklärte den Besuchern, wie es überhaupt dazu gekommen war.
Als Lars Hölkemeier, Eigentümer des Meyra-Geländes, seine Pläne für die weitere Nutzung vorstellte, fragte der Kalldorfer Herbert Engelhard, ob man nach Bleiglasbildern, die in der Schule im Kunstunterricht erstellt worden waren, suchen könne, und Hölkemeier stimmte einer Suche zu.
Tatsächlich wurden fünf gut erhaltene Bilder gefunden, und die Suche wurde auf Anregung der CDU-Ortsunion auf die Zeitkapsel ausgedehnt. „Für uns war die Frage, was hielt man damals für wichtig genug, um es in die Zeitkapsel zu stecken? Und ist der Inhalt unbeschädigt?“, sagte Dirk Küster.
Was er schließlich aus der Zeitkapsel zog waren Zeitdokumente. Zeitungen wie die „Freie Presse – Lippisches Volksblatt“, ein „Vlothoer Wochenblatt“ und eine „Lippische Landes-Zeitung“ waren die erste Ausbeute, es folgten diverse Postkarten, die Baupläne der Schule vom Architektenbüro Wilhelm Fromme, Lemgo, und eine Urkunde, die dezidiert die damalige Zeit der Gemeinde, beispielsweise mit der wirtschaftlichen Situation, dem Zuzug von Flüchtlingen oder über die Situation der Schulen, beschrieb.
Dirk Küster kündigte an, dass man die allesamt feuchten Dokumente vorsichtig trocknen und der Öffentlichkeit dann beim Hoffest in Kalldorf am 28. Juni in einer Vitrine präsentieren werde.