Barntrup (red). Für viele Generationen Barntruper Kinder ist die Kindertagesstätte „Rote Schule“ ein Ort der ersten Freundschaften, des Spielens und Lernens. Gleichzeitig ist das markante Gebäude im Herzen der Stadt seit vielen Jahren Sinnbild für eine große bauliche Herausforderung. Jahrzehntelang fehlten die finanziellen Möglichkeiten, den erheblichen Sanierungsstau grundlegend zu beseitigen.
Nun beginnt ein neues Kapitel: Mit einer Investition von mehr als zwei Millionen Euro startet die umfassende Sanierung der traditionsreichen Kindertagesstätte. Damit werden nicht nur die baulichen Mängel beseitigt, sondern gleichzeitig moderne und zukunftsfähige Betreuungsplätze für die kommenden Generationen geschaffen.
Der Weg bis zu diesem Meilenstein war lang. Bereits seit den 2010er-Jahren beschäftigten sich die Stiftung Eben-Ezer als Träger der Einrichtung, die Evangelische Kirchengemeinde Barntrup und die Stadt Barntrup intensiv mit der Zukunft der Immobilie. Unterschiedlichste Varianten wurden untersucht – vom vollständigen Abriss über einen Neubau am bisherigen Standort bis hin zu einem Neubau an anderer Stelle.
Am Ende scheiterten sämtliche Planungen an der fehlenden Finanzierung. Währenddessen verschlechterte sich der bauliche Zustand des Gebäudes weiter. Selbst die Volkshochschule Lippe-Ost gab ihre Räumlichkeiten im Obergeschoss aufgrund der baulichen Mängel auf.
Den entscheidenden Durchbruch brachte schließlich ein von der Stadt Barntrup erarbeiteter Statuswechsel der Immobilie. Seit 2025 erzielt die Stadt dadurch zusätzliche Mieteinnahmen von rund 70.000 Euro jährlich. Damit konnte erstmals ein dauerhaft tragfähiges Finanzierungskonzept entwickelt werden, das die umfangreichen Investitionen überhaupt möglich macht.
Bürgermeister Borris Ortmeier sieht darin einen entscheidenden Wendepunkt: „Über viele Jahre standen wir immer wieder vor derselben Frage: Wie können wir die Rote Schule retten, ohne die finanziellen Möglichkeiten der Stadt zu überfordern? Mit dem Statuswechsel der Immobilie ist es uns gelungen, dauerhaft zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Genau diese Einnahmen ermöglichen es heute, die notwendigen Investitionen solide zu finanzieren. Aus einer jahrelangen Diskussion ist endlich eine nachhaltige Lösung geworden – für die Kinder, die Familien und den Bildungsstandort Barntrup.“
Neben der langfristigen Finanzierung konnte die Stadt weitere erhebliche Fördermittel einwerben. Für die energetische Sanierung erhält Barntrup aus dem EFRE-Programm der Europäischen Union und des Landes Nordrhein-Westfalen Fördermittel in Höhe von mehr als 1,16 Millionen Euro. Insgesamt werden die energetischen Maßnahmen mit rund 70 Prozent gefördert. Für Bürgermeister Ortmeier ist dies ein starkes Signal: „Diese Förderung zeigt eindrucksvoll, dass Europa und das Land Nordrhein-Westfalen ganz konkret vor Ort wirken. Gemeinsam mit den Eigenmitteln der Stadt Barntrup entsteht hier Zukunft. Wir investieren nicht nur in moderne Gebäudetechnik und Klimaschutz, sondern vor allem in beste Betreuungsbedingungen für unsere Kinder. Jeder investierte Euro ist eine Investition in die Zukunft unserer Stadt.“ Regierungspräsidentin Anna-Katharina Bölling würdigt das Vorhaben ebenfalls: „Mit der EFRE-Förderung unterstützen die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen Projekte, die Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und gesellschaftlichen Nutzen miteinander verbinden. Die Sanierung der Kita Rote Schule ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Hier entstehen moderne Bildungs- und Betreuungsräume, gleichzeitig wird das Gebäude energetisch zukunftsfähig gemacht. Das ist eine Investition, von der Kinder, Familien und die gesamte Region langfristig profitieren.“
Die eigentlichen Bauarbeiten beginnen nun während der dreiwöchigen Sommerschließzeit der Kindertagesstätte. Anschließend wird die Sanierung über mehrere Jahre hinweg abschnittsweise bei laufendem Betrieb fortgeführt. Das stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen. Die Stadt Barntrup macht keinen Hehl daraus, dass eine Großbaustelle während des laufenden Kita-Betriebs nicht die optimale Lösung darstellt. Gleichzeitig wäre eine vollständige Auslagerung der Einrichtung organisatorisch und wirtschaftlich kaum umsetzbar gewesen.
Die kommenden Jahre werden daher von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt sein. Eltern, Kinder, Mitarbeitende der Einrichtung, der Träger Stiftung Eben-Ezer, die Kirchengemeinde, die beteiligten Handwerksunternehmen und die Stadt Barntrup werden den Bauprozess gemeinsam begleiten. Ziel ist es, den Kita-Alltag trotz der Einschränkungen so sicher und verlässlich wie möglich aufrechtzuerhalten.
Die Perspektive am Ende der Baumaßnahme ist jedoch klar: Die bisher dreigruppige Einrichtung, die seit vielen Jahren lediglich über ein Provisorium für eine zusätzliche halbe Gruppe verfügt, wird zu einer modernen viergruppigen Kindertagesstätte ausgebaut. Darüber hinaus entstehen die räumlichen Voraussetzungen für eine vollständig neue fünfte Gruppe, die unmittelbar nach Fertigstellung dauerhaft zur Nutzung der Kita zur Verfügung gestellt wird.
„So können wir für den schwer kalkulierbaren Bedarf an Betreuungsplätzen gleich einen Puffer für weitere Bedarfe in Barntrup vorhalten“, betont Uwe Schünemann Kämmerer der Stadt Barntrup. Gleichzeitig werden sämtliche Gruppenräume, Funktionsbereiche und die technische Gebäudeausstattung grundlegend modernisiert. Auch das Außengelände wird vollständig neugestaltet und an die heutigen pädagogischen Anforderungen sowie die Bedürfnisse der Kinder angepasst.
Mit dem Beginn der Bauarbeiten endet damit eine jahrzehntelange Phase des Stillstands. Die „Rote Schule“ erhält nicht nur eine umfassende bauliche Erneuerung, sondern eine echte Zukunftsperspektive.
Aus einem Gebäude, das lange Zeit vor allem durch seinen Sanierungsbedarf bekannt war, entsteht nun Schritt für Schritt eine moderne Kindertagesstätte, die den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht wird und ein starkes Zeichen für Familienfreundlichkeit und Zukunftsinvestitionen im Herzen Barntrups setzt.