Kalletal (rr). Mit einem innovativen Modellprojekt bieten die Gemeinde Kalletal und der Landesverband der Hebammen Nordrhein-Westfalen eine sinnvolle Stärkung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sowie eine Ergänzung des medizinischen Angebots. Das machten Bürgermeister Mario Hecker und Michelle Rump, Landesvorsitzende des Hebammenverbands, am Freitag vergangener Woche bei einem Pressegespräch im Rathaus deutlich.
Demnach sollen eigenständig tätige Hebammen neue Wege in der Primärversorgung gehen und das Angebot in den Räumlichkeiten des kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) ergänzen. Damit eröffnen beide Partner eine bessere medizinische Versorgung von Schwangeren und jungen Familien.
Das gemeinsame Modellprojekt trägt den Namen HERA, Hebammen in Regionaler Ambulanter Versorgung, und verfolgt den modernen Versorgungsansatz, bei dem Hebammen als eigenständige Gesundheitsfachberufe mit bestehenden regionalen Versorgungsstrukturen kooperieren. Dazu stellt das MVZ geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung und erweitert das bestehende Spektrum seiner Angebote um Hebammenleistungen.
Auf Wunsch der Hebammen können auch Terminvergabe, -organisation und -koordination durch die medizinischen Fachangestellten des MVZ übernommen werden.
Damit ist das MVZ ein wichtiger Baustein der ambulanten medizinischen Versorgung in Kalletal. Darüber freute sich besonders Michelle Rump, denn, so sagt sie, „die Einbindung von Hebammen in die Primärversorgung ist keine Frage zusätzlicher Zuständigkeiten, sondern eine Frage der intelligenten Nutzung vorhandener Kompetenzen.“
Sie hofft, dass dieses Modell auch andere Städte und Gemeinden in NRW ermutigt, Hebammen künftig stärker in die regionalen Versorgungsstrukturen einzubinden. Die Versorgung von Schwangeren im MVZ hat den Vorteil, dass dort unterschiedliche Berufsgruppen zusammenarbeiten und die Betreuung auf eine breitere Basis gestellt werden kann. Denn ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die enge Zusammenarbeit zwischen Hebammen und den bereits im MVZ tätigen medizinischen Fachkräften.
Schwangere, Wöchnerinnen und Stillende können sich künftig bei Beschwerden oder Unsicherheiten direkt an eine Hebamme wenden. Entweder kann diese sie im Rahmen der Hebammenbetreuung unmittelbar versorgen, oder, falls eine ärztliche Abklärung oder Behandlung erforderlich ist, gezielt an die hausärztliche oder fachärztliche Versorgung weiterleiten, beziehungsweise bei Bedarf in eine Klinik.
Auch Imola Kalló, ärztliche Leiterin des MVZ, begrüßt die geplante Zusammenarbeit. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass es für Frauen in der Region nicht immer einfach ist, eine Hebamme zu finden. Nun soll die Kooperation zwischen Gemeinde Kalletal und Landesverband der Hebammen möglichst zeitnah umgesetzt werden, weshalb eine oder mehrere Hebammen gesucht werden, die Interesse haben, das neue Angebot im MVZ mitzugestalten.
Deshalb sind Hebammen ausdrücklich eingeladen, sich bei der Gemeinde Kalletal oder beim Landesverband der Hebammen zu melden.