Ohne Kabine zum Nordkap

Kalletal-Hohenhausen (rto). Auf Einladung der Hohenhausener Landfrauen berichtete jetzt Inge Fälchle, Ex-Langenholzhauserin, über die Fahrt mit ihrem 11 PS starkem Kramer Trecker aus dem Jahr 1955 zum Nordkap. Sie erfüllte sich damit im Jahr 2014 einen Herzenswunsch.

„Was Männer können, können Frauen noch besser“, sagt die Siebzigjährige, die vor fünf Jahren den Entschluss fasste, mit dem geerbten Trecker ihres Vaters die rund 6000 Kilometer zum Nordcap zu fahren. Und weil Frauen das besser können als Männer, verzichtete sie auf eine Fahrerkabine, setzte sich damit den Wetterunbilden des Nordens direkt aus, fuhr nicht über Norwegen, sondern durch Schweden und Finnland zu ersehnten Ziel. Am 25. April 2014 startete sie ihre 93-tägige Tour in Amedorf bei Neustadt am Rübenberge. Dort lebt sie seit sie ihren heute 79-jährigen Mann in Kalldorf kennenlernte und 1969 geheiratet hat. Er war Schachtmeister auf einer Baustelle und sprach sie an, sagt sie. Heute haben die Zwei nicht nur ihre eigene Geschichte zu erzählen, sondern auch zwei Töchter und drei Enkelkinder. Inge Fälchle’s Mutter, Inge Hermsmeier (93) lebt noch heute in Langenholzhausen und wird von ihr regelmäßig alle zwei Wochen besucht.

Wie kommt nun der Trecker von Begemann aus Langeholzhausen, das Erbstück des Vaters, ans Nordcap? „Ich wollte das schon immer machen, das Nordcap war mein Traum“, sagt die Frau, selbstbewusst beim Veranstaltungstermin in Kalldorf. Unterstützt wurde sie dabei von ihren beiden Töchtern Elke und Sabine. Die eine hat die „PR-Arbeit“ gemacht und die andere die Tour ausgearbeitet. Auch ihr Mann war nicht dagegen. „Der hatte so mal ein paar Monate Pause von mir“, lacht sich beim Bildervortrag.

Nachdem der Trecker vorbereitet war, Inge Fälchle ist heute immer noch Mitglied in Oldtimerclub Rodewald, wurde ein Wohnanhänger Typ “Hymmer Pan“ passend für ihre Reise vorbereitet. „Der Trecker hat ja nur 11 PS und schafft bei guter Leistung 14 Kilometer die Stunde. Da darf dann alles nicht zu schwer sein. Da war auch der Grund, warum ich keine Kabine haben wollte“, erzählt die Abenteurerin.

Nun darf man nicht vergessen, dass es im April im hohen Norden immer noch Winter ist und es länger als bei uns dauert, bis der Schnee verschwindet. Das heißt dann nicht nur Minustemperaturen, sondern auch eiskalter Fahrtwind, der der Fahrerin ungeschützt ins Gesicht schlägt.

„Dagegen helfen eine Wärmflasche, warmer Tee und sich warm anziehen. In Zwiebellagen übereinander, soviel wie geht. Das führte dann dazu, dass ich als Frau nicht mehr zu erkennen war und die schwedischen Medien vom ‚Harten Mann auf dem Trecker der zum Nordcap fährt‘, berichteten. Von April bis Juli 2014 dauerte die Reise über die sie jetzt mit über achthundert Fotos berichtete. „Das war nicht einfach mit den Bildern“, entschuldigt sie sich und weiter: „Ich war ja allein und hatte so immer ein Auge am Lenkrad und auf der Straße und das Andere in der Landschaft und am Fotoapparat.

Sechs bis acht Stunden täglich ist sie so durch die skandinavischen Länder bis zum Nordcap und zurück gefahren und hat dabei viele schöne Erlebnisse mit Menschen gehabt, die sie und ihren Mut bewundert haben. Sie wurde angesprochen, angehalten und eingeladen. Es haben sich Freundschaften nach Schweden ergeben, die bis heute halten.

Ihr Trecker hat dabei ohne große Probleme durchgehalten. Nur die Lichtmaschine, die schon in Deutschland auf der Fahrt nach Kiel Probleme machte, musste hinter Göteborg repariert werden. „Danach lief es wie geschmiert“, lacht die Frau aus dem Kalletal heute.

Aber eines wurde bei ihrem Vortrag auch klar. Es gibt noch zwei Frauen, denen man genauso viel Respekt zollen muss wie ihr: Ihrer Tochter Sabine und ihrer Schwester Monika. Sabine wurde von ihrer Mutter in Narvik vom Flughafen abgeholt. Sie verbrachte dann die restliche Fahrt bis zum ersehnten Nordcap und zurück bis zum Flughafen Kiruna auf dem harten Sozius, auf dem Kotflügel das Kramers. Die Schwester der Abenteurerin, Monika, stiegt dort zu und löste die Tochter ab, um bis nach Hause diese Position zu behalten. Dort warteten dann nicht nur die Familie und Freunde auf Inge Fälchle und ihre Schwester, sondern auch ihr Porsche 109 Trecker mit 50 PS. Der sei ihr aber für die Nordcap-Fahrt zu schnell gewesen, sagt sich schmunzelnd.

Obwohl sie sich immer an alle Regeln halte, konnte sie eines dann aber doch nicht lassen. „Ich habe mich immer an alle Regeln gehalten. Nur am Nordcap nicht. Dort ist die Zufahrt zur Weltkugel mit einer Palette versperrt gewesen. Da habe ich mich dann mit dem kleinen Trecker durchgemogelt und so ein Foto am nördlichsten Punkt der Welt bekommen“, sagt sie stolz und wird für ihre Leistung und den schöne Vortag vom dem vollen Saal der Hohenhauser Landfrauen im “Alten Krug“ in Kalldorf mit viele Applaus bedacht.