Ein Haus für die Seele

Bösingfeld/Meierberg (ar). Mit einer bewegenden Predigt brachte Pastor Matthias Fiebig aus Almena der Meierberger Gemeinde im Einweihungsgottesdienst ihre Friedhofskapelle nahe, als er am Sonntag vor einer Woche die Aufgabe hatte, die Freude über den Erhalt dieses Bauwerks sinnvoll einzuordnen. Für den formal-liturgischen Teil sorgte Pfarrer Horst Hildebrand von der katholischen Heiligen-Geist-Gemeinde Bösingfeld.

Nach einer musikalischen Einleitung durch den Posaunenchor Almena und den Männergesangverein „Frohsinn Meierberg“ trat Pastor Fiebig ans Rednerpult, und die Freude über dieses Ereignis war ihm deutlich anzumerken. „Denn dies ist ein besonderer Ort,“ erklärte er, „hier geht es um die Seele. Es ist ein Haus der Lebenden und der Verstorbenen, es ist ein Haus für die Seele.“ Dezidiert ging er darauf ein, dass die Seele nicht materiell sei, dass ihr Ursprung bei Gott liege und dass sie eine Sonderbehandlung verdiene. Dass man von einem Verstorbenen seit Jahrzehnten in der Meierberger Kapelle Abschied nehmen wollte, durfte nicht dadurch beendet werden, dass die Kapelle oder sogar der Friedhof aufgelöst würden, wie es eigentlich geplant war.

Wie die Meierberger ihre Kapelle unterstützen, zeigte sich an dem riesigen Besuch, denn derart voll mag sie noch nie gewesen sein. Und dass es einen langen Kampf um den Erhalt sowie ein fast unglaublich intensives Engagement der Bevölkerung in dem kleinen Ort gegeben hatte, dokumentierte noch einmal Norbert Steinmeier, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Meierberg.

Zum einen würdigte er, dass mit Bürgermeisterin Monika Rehmert und Ratsmitgliedern der Gemeinde Extertal dem Projekt Kapelle Meierberg eine hohe Wertschätzung erwiesen werde, zum anderen dankte er besonders den Männern und Frauen, die sich mit viel Aufwand in die Arbeit um und für die Kapelle eingebracht hatten. Im Jahre 1968 hatte Meierberg die Kapelle für 88400 D-Mark errichtet, denn den Dorfbewohnern war daran gelegen, ihre Verstorbenen nicht mehr zu Hause aufbahren zu müssen und dann zur Bestattung per Pferdefuhrwerk zum Friedhof transportieren zu lassen. 1969 war Meierberg in der Gemeinde Extertal aufgegangen, und es stand im Lippischen aus Kostengründen die teilweise Schließung von Friedhöfen ins Haus. Auch Meierberg war davon betroffen, und so trafen sich enttäuschte und verärgerte Bürger im Jahre 2017 zu einer emotionalen Bürgerversammlung. Die harten Verhandlungen mit der Stadt zeigten Wirkung, man einigte sich auf ein Modell, bei dem, so Steinmeier, „die Gemeinde die Sachkosten übernimmt und die Meierberger die Arbeit“. Auch die Unterhaltung und die Rasenpflege ging zu Lasten der Meierberger. Hilfreich war dabei sicherlich die Gründung der Dorfgemeinschaft Meierberg. Also krempelte man die Ärmel hoch und ging an die Arbeit.

Das Ergebnis ist deutlich zu sehen: Dach und Fenster wurden erneuert, eine zeitgemäße Isolierung und die Innendecke wurden in Angriff genommen, und es gab einen neuen Innen- und Außenanstrich. „1596 ehrenamtliche Stunden sind in das Projekt geflossen“, erläuterte Norbert Steinmeier und meinte als Fazit „Der Zustand ist stark verbessert, es sieht gut aus und es riecht gut.“

Auch wenn die 126 Vereinsmitglieder ihren Vorstand nicht alleine gelassen haben, stehen noch genügend weitere Projekte an, die weiteres bürgerschaftliches Engagement erfordern. Steinmeier nannte explizit den Glockenturm, das Dorfgemeinschaftshaus und den Dorfgemeinschaftsplatz. „Wir sind an die Leistungsgrenze gekommen“, warb er für weiteres Engagement, und dann konnten sich Gemeinde, Offizielle und Pastoren über Kaffee, Kuchen und Getränke freuen, mit denen der Tag würdig gefeiert werden konnte.