Barntrup (rr). Eigentlich hatte man sich gegen eine einzelne große Feier anlässlich des 650-jährigen Bestehens der Stadt Barntrup entschieden, doch am vergangenen Freitagabend geriet die Jubiläumsfeier „650 Jahre Stadtgeschichte in Barntrup“ zu einem erstklassigen Event der Würdigung dieser Historie.
Das Schul- und Bürgerzentrum war voll besetzt, die Fenster abgedunkelt, nur die Bühne stach beleuchtet heraus. Etwas höher gelegen hatte das Sonneborner Blasorchester Platz genommen, verstärkt durch Musiker des Lipperland-Orchesters, und spielte die Veranstaltung auf ihren Beginn zu.
Dann übernahm Thorsten Wagner, Chefredakteur von Antenne Unna, als Moderator das Mikrofon und führte höchst professionell und eloquent durch den Abend. Seine Begrüßung galt besonders Landesverbandsvorsteher Jörg Düning-Gast, der stellvertretenden Landrätin Birgit Tornau, Alexander Baer (MdL SPD) und dem ehemaligen Bürgermeister Herbert Dahle, dann rief er den amtierenden Bürgermeister Borris Ortmeier auf die Bühne. Seine Frage „Was sind die Charaktereigenschaften von Barntrup?“ beantwortete Ortmeier ganz klar. „Barntrup, das ist Weltoffenheit, Engagement, viel Verbundenheit mit der Stadt und viel Ehrenamtlichkeit.“
Von dem kurzen Ausflug in die Gegenwart wechselte das Thema zu 650 Jahren Barntrup, ein Part, den Torsten Buncher, Vorsitzender des Heimatvereins Barntrup, übernahm. Sich damit zu beschäftigen, sei wichtig, „denn wir müssen wissen, wo wir wech sind,“ sagte er. Seinen langen Vortrag, der mit zahllosen früheren Namen Barntrups begann, gestaltete Buncher trotz vieler Jahreszahlen, Personen und Ereignissen derart spannend und akzentuiert, dass die Zuhörer in jeder Phase einfach gefesselt und interessiert blieben.
Nach seinen Worten sind Barntrup, Alverdissen und Bösingfeld städtische Gründungen der Grafen von Sternberg, deren Territorium im Jahre 1220 von dem Herrschaftsgebiet der Schwalenberger Grafen abgetrennt wurde. Barntrups Stellung, obgleich seit 1376 mit Stadtrechten versehen, entsprach im 16. und 17. Jahrhundert nur der eines Marktfleckens. Im 15. Jahrhundert wurde Barntrup komplett verwüstet, erst im 19. Jahrhundert konnte die Wirtschaft durch die beginnende Industrialisierung wachsen, als sich beispielsweise eine Möbelfabrik und eine Zigarrenfabrik ansiedelten.
Barntrup war immer eine Stadt des Zuzugs durch verschiedene Flüchtlingsströme. So wuchs die Bevölkerung von anfänglich 1.100 auf heutzutage über 8.000. „Wir haben vom Zuzug profitiert,“ sagte Torsten Buncher, „aber wir brauchen Firmen, die kommen, die Politik muss die Stadt attraktiv halten, und wir brauchen Aufbruch.“
Zu Gegenwart und Zukunft fand sich darüber hinaus eine Gesprächsrunde ein, in der Apotheker Dr. Hans Wiegrebe, Nicole Reese vom Café Malene und Michael Dickewied, Inhaber des Fitnessstudios M in launiger Runde die Themen Beharrlichkeit, Bewahrung und Aufbruch anhand ihrer Geschäftstätigkeit erläuterten.
Den Abschluss der Jubiläumsfeier bildete dann eine Sofa-Runde mit den Vorsitzenden der Heimatvereine Sonneborn, Sommersell, Barntrup sowie des Ziegler- und Heimatvereins Selbeck und des Bürger- und Verkehrsvereins Alverdissen, die sich auf der Bühne vor allem über das Thema „Heimat“ austauschten.