Extertal (red). Was heute selbstverständlich wirkt, begann einst mit einer mutigen Idee – und engagierten Vereinsmitgliedern mit einer großen Vision. Das LEADER-Projekt „Generationentreff Bösingfeld“ verwandelt den Ort heute in eine offene Bühne für Austausch, Aktivität, Zusammenarbeit und Lebensfreude. Die Veranstaltungen an der „Auszeit“ sind über die Grenzen des Extertals hinaus bekannt und ziehen das Publikum an.
Der TC Extertal e.V. war in den 1970er-Jahren ein Paradebeispiel für den Tennisboom jener Zeit. Gut situierte Mitglieder, volle Plätze, ein außergewöhnlich schönes Clubhaus in traumhafter Lage: Fast jede Sommerwoche wurde gespielt, gefeiert, gelebt – Vereinsidylle pur. Doch wie vielerorts ebbte die Tenniswelle ab und die Unterhaltungskosten überstiegen die Möglichkeiten. Als der TSV Bösingfeld erstmals gefragt wurde, ob er die Anlage übernehmen wolle, war die Antwort klar: Zu riskant. Zu teuer. Zu unsicher.
Doch dann kam LEADER. Mit dem Blick auf die Fördermöglichkeiten begannen der TSV Bösingfeld, Architekt Lutz Brakemeier und der damalige Regionalmanager der LAG Nordlippe, Borris Ortmeier, ein mutiges Vorhaben zu schmieden: Den Tennisplatz wieder zu einem lebendigen Treffpunkt zu verwandeln – nicht nur für Sport, sondern für Bewegung und Begegnung quer durch alle Generationen. Wo Menschen sich begegnen, wächst Vertrauen – und oft auch die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung für die eigene Heimat zu übernehmen, was in Bösingfeld eindrucksvoll gelungen ist.
Das ehemalige Clubhaus erstrahlt heute in neuem Glanz. Die Gebäudesubstanz wurde energetisch optimiert, die Sanitäranlage barrierefrei gestaltet und der Außenbereich erhielt eine einladende Terrasse sowie Spielmöglichkeiten für Kinder. Heute ist das Clubhaus unter dem Namen „Auszeit“ nicht mehr nur Treffpunkt im Ort, sondern über die Grenzen von Extertal hinaus bekannt – mit einem vielseitigen Programm und zahlreichen Veranstaltungen.
Ein Tennisplatz bekam einen Gummibelag, der alles ermöglicht: Basketball, Fußball, Volleyball – und auch die Gymnastikgruppen tummeln sich hier. So entstand ein Multifunktionsspielfeld, dass sich flexibel nutzen lässt und verschiedene Gruppen zusammenbringt. Viele sportliche Großevents haben hier bereits stattgefunden und an den Wochenenden profitieren Besucher auch von der Nähe zum Freibad und dem Kunstrasenplatz. Der Außenbereich ist frei zugänglich und bietet besonders im Sommer Raum für die ganze Familie, um aktiv Zeit miteinander zu verbringen.
„Was mich an diesem Projekt besonders beeindruckt, ist, dass hier ein Ort für die ganze Gemeinschaft entstanden ist. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen können das Gelände nutzen und miteinander ins Gespräch kommen. Genau solche Orte brauchen wir für ein lebendiges Extertal“, unterstreicht Bürgermeister Christian Sauter die Bedeutung des Projekts für das Gemeindeleben.
In der Auszeit finden seitdem Vereinssitzungen, Spieleabende, Stammtische und weitere Veranstaltungen von verschiedenen Gruppierungen statt. Besonders hebt Carlo Eggers, Vorsitzender des TSV, den jährlichen „Abend der Blau-Weißen Tische“ hervor, bei dem jeder eine Kleinigkeit zu Essen mitbringt, „Das ist ein Beispiel für Lebendigkeit, wie man sie sich in einer Dorfgemeinschaft wünscht.“
2020 wurden die Baumaßnahmen für das Projekt fertiggestellt und die Kosten konnten mit rund 183.000 Euro aus dem LEADER-Budget der Region Nordlippe gefördert werden. Außerdem gab auch die Gemeinde Extertal 33.000 Euro als Zuschuss. Während der Bauzeit leisteten die Ehrenamtlichen des TSV Bösingfeld circa 1.000 Stunden an Eigenleistung, um die Baukosten gering zu halten. Ohne dieses große Engagement der Mitglieder wäre die Anlage nicht das, was sie heute ist. „Durch die LEADER-Förderung ist es gelungen, einen Ort zu schaffen, an dem sich viele Gruppen, Vereine und verschiedenen Generationen wetterunabhängig treffen können, sich austauschen und in Bewegung kommen“, blickt Carlo Eggers sichtlich stolz zurück auf das, was der Verein hier geleistet hat.
Ein Ziel des europäischen LEADER-Programmes ist die Aktivierung der Menschen, ihre Heimat selbst zu gestalten und ihren eigenen Ideen Raum und Unterstützung zu geben. „Der Generationentreff ist ein Paradebeispiel dafür, was entstehen kann, wenn Mut und Tatkraft zusammenkommen und sich eine Idee positiv auf die ganze Bevölkerung auswirkt, da hier alle Altersgruppen teilhaben können. Für die Region Nordlippe ein echter Gewinn, dass der Verein sich diesem großen Projekt gestellt hat“, resümieren auch die Regionalmanagerinnen Ute Müller und Karen Baller.
Mit ihrem Engagement, ihren Ideen und ihrer Offenheit haben die Beteiligten einen Treffpunkt geschaffen, der zeigt: Zusammenhalt entsteht dort, wo Türen offenstehen.
Der Generationentreff Bösingfeld ist damit weit mehr als ein gelungenes Bauprojekt. Er ist ein lebendiges Symbol dafür, wie regionales Engagement, EU-Förderung und die Zukunft im ländlichen Raum aussehen kann – nah am Menschen, generationenübergreifend und getragen von einer starken Gemeinschaft. Wer heute hier vorbeischaut, hört vor allem eins: Willkommen – schön, dass du da bist!