Kalletal (rr). Nachdem bei der Ratssitzung am 2. September ein Patt bezüglich eines Gesellschaftsdarlehens in Höhe von 500.000 Euro für den weiteren Bestand des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) entstanden war, legte Bürgermeister Mario Hecker Widerspruch ein. Und so fand kurzfristig innerhalb einer Woche, am Dienstag, 8. September, die zweite Sondersitzung zum Thema im Bürgerbegegnungszentrum Kalletal-Hohenhausen statt. Die gute Nachricht: Der Rat stimmte der Vergabe des Darlehens einstimmig zu. Damit ist die Existenz des MVZ und die medizinische Versorgung in Kalletal langfristig gesichert.
Diese Entscheidung konnte Mario Hecker nur begrüßen. „Die öffentliche Diskussion der vergangenen Wochen und Monate hat bei vielen Bürgerinnen und Bürgern verständlicherweise für Verunsicherung gesorgt. Diese Sorgen sind mit der nun getroffenen Entscheidung ausgeräumt. Das MVZ steht für eine langfristig gesicherte medizinische Versorgung und bietet damit eine verlässliche Grundlage für die Zukunft“, sagte er.
Doch war dem einstimmigen Ratsbeschluss eine wahre politische Farce vorausgegangen. Als Hecker am Dienstagabend um 19 Uhr die Ratssitzung eröffnete, war die Aula mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern rappelvoll besetzt, sogar in den Türrahmen stand Publikum. An den Tischen der Ratsmitglieder hatten sich die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen niedergelassen, nur die Sitze der CDU- und UKB-Fraktionen blieben leer. Als Mario Hecker mitteilte, beide Fraktionen hätten sich rund zweieinhalb Stunden vor der Sitzung geschlossen abgemeldet, brandeten im Saal Buhrufe und Gelächter auf.
Dass die CDU laut einem Statement von Fraktionschef Julian Gerber mitteilte, ihre „Nichtteilnahme an der kurzfristig angesetzten Sitzung sei deshalb keine Abkehr von ihrer Verantwortung. Sie folgt zunächst aus konkreten persönlichen und terminlichen Gründen“ quittierten die Zuhörer wiederum mit Unverständnis.
„Schon merkwürdig, dass alle so plötzlich persönliche und terminliche Gründe haben“, meinten mehrere Anwesende in der Pause, die eintrat, als der Bürgermeister die Ratssitzung nach kurzer Zeit beendete. Denn dadurch, dass Fraktionen von CDU und UKB der Sitzung fernblieben, war der Rat nicht beschlussfähig, da die dafür nötige Anwesenheit von 17 Ratsmitgliedern nicht gegeben war. So berief Mario Hecker gleich für 19.30 eine zweite Ratssitzung ein, die laut Gemeindeordnung auch ohne die Mindestanzahl an anwesenden Mitgliedern beschlussfähig war.
Und hier war die Abstimmung eindeutig. Einstimmig votierten SPD und Bündnis 90/Grüne für die Gewährung des Darlehns an das MVZ, worauf das Publikum lang anhaltenden Beifall, Jubelrufe und stehende Ovationen spendete.
Bürgermeister Mario Hecker zeigte sich beruhigt und zufrieden. Sein Statement: „Die öffentliche Diskussion der vergangenen Wochen und Monate hat bei vielen Bürgerinnen und Bürgern verständlicherweise für Verunsicherung gesorgt. Diese Sorgen sind mit der nun getroffenen Entscheidung ausgeräumt. Das MVZ steht für eine langfristig gesicherte medizinische Versorgung und bietet damit eine verlässliche Grundlage für die Zukunft. Wer bislang mit dem Gedanken gespielt hat, in das MVZ zu wechseln oder auf der Suche nach einem Allgemeinmediziner ist, kann diesen Schritt nun guten Gewissens gehen. Der 1. Oktober markiert den Beginn eines neuen Quartals – und damit könnte der Zeitpunkt für einen Wechsel kaum besser sein. Als Bürgermeister freue ich mich, dass wir mit dieser Entscheidung ein klares Signal für eine starke, verlässliche und zukunftsfähige medizinische Versorgung unserer Bürger setzen können.“

KOMMENTAR
Politisches Schmierentheater muss aufhören

Von Rudi Rudolph
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Julian Gerber tätigte in seinem Statement zum Fernbleiben seiner Fraktion von der Ratssitzung am Dienstag bemerkenswerte Aussagen: „Zur Klarstellung gehört für uns auch: Wir waren niemals grundsätzlich gegen die Errichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums im Kalletal“, „Die CDU Kalletal wird sich auch weiterhin für eine verlässliche medizinische Versorgung im Kalletal einsetzen“ und „Demokratie lebt vom Streit. Sie lebt aber ebenso vom Respekt vor demjenigen, der nach Abwägung der Fakten zu einem anderen Ergebnis kommt“.
Im Dezember 2025 sagte er, dass das MVZ ein „Fass ohne Boden“ sei und zog das Fazit, „Lieber ein Ende mit dem von Beginn an für alle absehbaren Schrecken, als noch mehr Schrecken ohne Ende.“ Doch der Bürgerwille und die medizinische Versorgungssituation im Kalletal verlangen ein MVZ. Bürgermeister Mario Hecker nutzte seine legitimen Kompetenzen und die Gemeindeordnung, um zum jetzigen positiven Ergebnis zu kommen.
Dass sowohl CDU als auch die UKB der Ratssitzung fernblieben, ist hingegen mangelnder Respekt vor der Demokratie, denn eine gegenteilige Meinung zu haben, erfordert auch so viel Rückgrat, dazu zu stehen und nicht eineinhalb Stunden vor der Sitzung geschlossen persönliche und terminliche Gründe vorzuschieben.
Ja, persönliche Beleidigungen haben in der Politik nichts zu suchen, und aus persönlichen Animositäten heraus das Projekt MVZ vor die Wand zu fahren, auch nicht, aber das gilt für beide Seiten. Beide Gruppen sollten durchschnaufen, sich die Hand reichen und gemeinsam für den Erfolg des MVZ arbeiten, das wäre nur gut für die Kalletaler Bevölkerung.