Kalletal (sar). Generationen sind mit der Praxis Peperhove „Zahnärzte im Kalletal“ groß geworden. Nun steht fest: Die Praxis schließt zum 31. Dezember; Dr. Peperhove verlässt aus persönlichen Gründen das Kalletal.
Das Team der Praxis möchte diese Nachricht nicht einfach so stehen lassen: „Für uns bedeutet das nicht nur der Wegfall unseres Arbeitsplatzes. Viel größer ist unsere Sorge um die vielen Patientinnen und Patienten, die künftig möglicherweise keine wohnortnahe zahnärztliche Versorgung mehr finden. Schon heute stoßen viele Praxen in der Region an ihre Kapazitätsgrenzen. Was mit den Menschen passiert, die bislang zu uns kommen, beschäftigt uns jeden Tag“, so das Peperhove-Team.
Sie fügt hinzu: „Wir möchten nicht einfach still die Türen schließen. Uns geht es darum, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Aus diesem Grund haben wir am Dienstagmorgen dieser Woche das Gespräch mit dem Kalletaler Bürgermeister gesucht und ihn gebeten, unsere Situation in die politischen Beratungen einzubringen. Wir wünschen uns, dass der Rat der Gemeinde Kalletal bei seinen weiteren Entscheidungen zum kommunalen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) zumindest die Möglichkeit prüft, ob unsere Erfahrung, unser Team und die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten dort eine Zukunft haben könnten.“
Bürgermeister Mario Hecker hat aufgrund der Dringlichkeit umgehend die Ratsmitglieder informiert. Erste Kündigungen an langjährige Mitarbeiterinnen seien bereits erfolgt. Damit bahne sich eine Situation in Kalletal an, „wie wir sie im Frühjahr 2023, als unser Allgemeinmediziner Herr Dr. Roßknecht verstarb, leidvoll erfahren mussten“, erinnert Mario Hecker.
Aus Sicht des Bürgermeisters erscheint es grundsätzlich folgerichtig, mit den geschaffenen Strukturen des MVZ zumindest zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, an diesem Standort fachübergreifende medizinische Leistungen anzubieten, um den Fortbestand der Praxis Peperhove zu gewährleisten.
„Wir wissen, dass darüber letztlich die politischen Gremien entscheiden. Es geht uns ausdrücklich nicht darum, Entscheidungen vorwegzunehmen oder Forderungen zu stellen. Wir bitten lediglich darum, diese Chance sorgfältig und ergebnisoffen zu prüfen“, macht das Team deutlich. Größter Wunsch sei, dass die Menschen in Kalletal auch künftig gut zahnmedizinisch versorgt werden und das Wissen sowie die Erfahrung des Teams nicht verloren gehen.
Die Zahnarztpraxis betreut aktuell nach eigenen Angaben mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten. Darüber hinaus engagiert sich das Team weit über die klassische Praxisarbeit hinaus: Es führt Hausbesuche durch, versorgt Senioreneinrichtungen und begleitet mit dem Projekt „Mit Biss“ die gemeindliche Kita Pusteblume.
Seit Anfang 2026 kommt zudem die verpflichtende zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung für Kinder hinzu, wodurch die Bedeutung einer wohnortnahen Versorgung weiter gestiegen ist.
OFFENER BRIEF
Offener Brief des Seniorenbeirates Kalletal an den Rat der Gemeinde Kalletal
Sicherung der medizinischen Zukunft im Kalletal
Chance für die zahnärztliche Versorgung nutzen – Stärkung des MVZ
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Hecker,
sehr geehrte Damen und Herren des Rates,
wie der Seniorenbeirat der Gemeinde Kalletal erfahren hat, schließt die Zahnarztpraxis „Zahnärzte im Kalletal“ (Praxis Peperhove) zum 31. Dezember 2026. Damit endet nach über vier Jahrzehnten die Geschichte einer langjährig etablierten und anerkannten Praxis. Für mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten droht nun der Verlust ihrer wohnortnahen zahnärztlichen Versorgung. Betroffen sind dann nicht nur ältere Menschen, sondern alle Bewohnerinnen und Bewohner des Kalletals. Gleichzeitig verlieren engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz und wertvolles medizinisches Fachwissen ginge verloren.
Rückblickend erinnern wir uns als Seniorenbeirat sehr genau daran, welchen Weg die Gemeinde Kalletal bereits einmal gehen musste.
Nach dem Tod von Dr. Roßknecht standen viele Bürgerinnen und Bürger plötzlich ohne hausärztliche Versorgung da. Zahlreiche Menschen mussten in umliegende Städte und Gemeinden wechseln und verloren ihre vertraute medizinische Betreuung. Für viele ältere Menschen bedeutete dies erhebliche Belastungen, lange Wege und große Unsicherheit.
Schon damals haben wir nicht tatenlos zugesehen.
Dieser Einsatz hat sich gelohnt.
Heute hat sich das kommunale Medizinische Versorgungszentrum gut etabliert und ist ein nicht mehr wegzudenkender Teil der medizinischen Versorgung im Kalletal. Viele Bürger und
Bürgerinnen konnten wieder nach Kalletal zurückkehren und werden dort wohnortnah haus-
ärztlich versorgt. Für zahlreiche Seniorinnen und Senioren bedeutet das ein großes Stück Lebensqualität und Sicherheit. So haben wir durchweg positive Rückmeldungen zu den Ärzten und dem Team des MVZ erhalten und sind deshalb letztendlich allen Beteiligten ausdrücklich dankbar.
Im Bereich der zahnärztlichen Versorgung zeichnet sich nun eine vergleichbare Situation ab und deshalb verfolgen wir als Seniorenbeirat diese Entwicklung und möchten es nicht versäumen, uns hier einzubringen, denn: Wieder könnten lange Wege und der Verlust lang etablierter Versorgungsstrukturen vor uns liegen. Wieder stehen viele Menschen vor der Frage, wer sie künftig bei Zahn- oder Kieferproblemen behandeln kann. Froh sind wir einerseits, dass Jasper John die Praxis seines Vaters übernommen hat, aber er wird nicht alle Kalletaler Patientinnen und Patienten behandeln können.
Wir sind sicher, dass Sie die Erfahrungen der vergangenen Jahre in Ihre Überlegungen mit
einzubeziehen werden.
Wir bitten Sie:
• die derzeit entstehende Chance sorgfältig und ergebnisoffen zu prüfen, ob die
zahnärztliche Versorgung mit dem bestehenden Patientenstamm, dem erfahrenen
Praxisteam und der vorhandenen Kompetenz künftig im MVZ fortgeführt werden kann.
Dort könnte es eine barrierefreie Praxis geben, was auch wünschenswert wäre.
• das kommunale MVZ als Chance für das Kalletal zu sehen und sich dauerhaft dafür
stark zu machen.
• die vorerst noch notwendige finanzielle Unterstützung bereitzustellen, um eine
erfolgreiche Weiterentwicklung des MVZ zu ermöglichen, denn das MVZ ist mehr als
nur ein wirtschaftlicher Betrieb. Es ist ein wesentlicher Bestandteil zukunftsweisender
kommunaler Weiterentwicklung und zeigt, dass unsere Gemeinde Daseinsvorsorge
und Verantwortung gegenüber ihren Bürgerinnen und Bürgern ernst nimmt.
• alles zu unternehmen, damit Kalletal auch künftig eine wohnortnahe medizinische und
zahnmedizinische Versorgung anbieten kann.
Wir vertrauen aber darauf, dass mit ernsthaftem politischem Willen, alle Möglichkeiten
verantwortungsvoll geprüft werden.
Der Seniorenbeirat vertritt viele ältere Menschen in unserer Gemeinde. Zugleich wissen wir
aus den vergangenen Jahren und aus diversen Gesprächen, dass der Wunsch nach einer
starken kommunalen Gesundheitsversorgung generationsübergreifend besteht. Der
eindeutige Bürgerwille, der sich in mehreren Bürgerbegehren und dem Engagement
tausender Menschen gezeigt hat, besteht, wie wir feststellen können, unverändert fort.
Vor allem aber erhoffen wir, dass den Bürgerinnen und Bürgern Kalletals ein erneuter
gesellschaftlicher Kraftakt mit weiteren Bürgerbegehren erspart bleibt und Rat und
Verwaltung gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Es besteht jetzt die Chance, eine barrierefreie Zahnarztpraxis zu etablieren, was für ältere
Menschen und für Menschen mit körperlichen Einschränkungen dringend erforderlich ist.
Die Menschen in Kalletal vertrauen darauf, dass auch ihre zahnmedizinische Versorgung
nach der Schließung der Praxis Peperhove in Zukunft gesichert bleibt.
Mit freundlichen Grüßen
Gisela Wostrak
1. Vorsitzende Seniorenbeirat der Gemeinde Kalletal