Deutschlands coolster Kriminalkommissar besucht das Kalletal

Kalletal-Hohenhausen (rto). Die Lesung war in wenigen Stunden ausverkauft doch sorgte Sturm Sabine dafür, dass nur etwa die Hälfte der gepalnten Zuhöre auch tatsächlich den Weg nach Hohenhausen fanden. Auch Roland Jankowski, der den meisten als Kommissar Overbeck aus der ZDF-Serie ‚Wilsberg‘ bekannt ist, hatte Probleme bei der Anreise, schaffte es aber knapp zum Start in der Grundschule.

Man habe nach etwas Besonderem für das Kalletal gesucht, und dabei sei Anja Mayer, Leiterin der Bücherei in Corves Mühle, auf den Gedanken gekommen, doch mal den Herrn Jankowsky anzurufen, sagte Heiderose Osterhage von der VHS zur Begrüßung.

Der hatte auch gleich zugesagt und las an dem Abend aus dem Buch „Waffe weg! Over……!“, in dem schräg-kriminelle Geschichte verschiedener Autoren zu finden sind und dessen Herausgeber er ist. Auch Bürgermeister Mario Hecker war gekommen, begrüßte den Gast und bat ihn zum Schluss, sich in das “Goldene Buch“ der Gemeinde einzutragen. Der Schauspieler sagte schmunzelnd, er habe den Termin gerne angenommen, da er bis daher nicht wusste wo das Kalletal überhaupt sei. „Das ist nicht böse gemeint, ich wusste auch bis vor kurzem nicht, wo Harsewinkel liegt,“ lachte er und fuhr fort, dass er einen Freund in Schweden habe, der Kalle hieße und er deswegen den Termin wahrgenommen habe, um diesem Freund ein Bild von einem Ortsschild zu senden, auf dem sein Name stünde.

Bevor er dann mit seiner schauspielerischen Brillanz gekonnt die heiteren und tödlichen Geschichten vortrug, die immer wieder ein überraschendes Ende hatten, lud er die Hörergemeinde noch zu einer kleinen Diskussion über den am Vortag gezeigten siebzigsten Wilsberg ein.

Doch dann ging es los: Mit scharfer, sarkastisch untermalter Stimme startete er die Lesung mit dem bitterbösen Gedicht „Jemand muss Frau Kimmel töten“ von Ralf Kramp und schaffte sofort auf humorvolle und absurde Art die richtige Krimistimmung.

Es folgen Geschichten von Angela Eßer über die bayrisch-italinsiche Weisswurst-Mafia oder „Der Teich“, von Martina Kämpf. Nach der Pause geht es weiter mit „Dumm gelaufen in Damme“ von Ralf Kramp und Brigitte Glasers blutiger “Geschichte der städtischen Angestellten Susie“, das Publikum lacht und wird durch die großartige Weise des Vortags, Jankowsky spielt seine Rollen förmlich an Tisch und verleiht jeder einen eigenen Charakter. Ein unterhaltsamer Abend, der von ‚Overbeck‘, der Name haftet ihm an, da konnte sich selbst Heiderose Osterhage nicht von lösen und tappte immer wieder in die Falle, am Montag morgen mit einer Lesung vor den Schülern der Grundschule Hohenhausen fortgesetzt wurde.

Roland Jankowsky engagiert sich nicht nur in der Münsteraner Kinderkrebshilfe, der Vater einer achtjährigen Tochter liest auch immer wieder gerne in Schulen und nimmt an den bundesweiten Vorlesetagen teil.

Am Montag las er aus dem Buch “Ein Affe an der Angel“ von Jonny Bauer und Stefan Lomp und begeistere auch die Schülerinnen und Schüler mit der ihn eigenen Art, jeder handelnden Figur einen eigenen Ausdruck zu geben.

„Das bot sich einfach an, wenn ich schon mal da bin, lacht er zu Abschied aus dem Kalletal.

Und wir haben noch mehr: In einem exklusiven Interview hat uns der Schauspieler Roland Jankowsky im Anschluss an seine Lesung noch ein paar Antworten zu sich und seiner Rolle in der ZDF-Krimiserie ‚Wisberg‘ beantwortet.

Nordlipper: Herr Jankowsky am vergangenen Samstag wurde der 70. Wilsberg gezeigt, seit 1997 sind Sie dabei und spielen den Kommissar Overbeck. Wie ist es so als fester Bestandteil in einer Serie zu spielen?

Jankowsky: „Ich fing mit drei Sätzen in der Nebenrolle an. Jetzt hab ich es schon in den Vorspann geschafft: es ist schön und macht Spass. Wir sind eine große Familie. Ich hoffe wie Leonard Lanssink (Wilsberg), dass wir die 100. Folgen noch erreichen.“

‚Overbeck“ ist für viele bereits eine Kultfigur wie ‚Wilsberg‘, ein bisschen übertrieben, trottelig aber sympathisch. Wie sehen Sie ihre Filmfigur?

Jankowsky: „Ne, der ist ein Komiker alter Schule, wie ein Stehaufmännchen, wenn er fällt in seiner Übereifrigkeit steht er auch immer wieder auf."

Verraten sie uns, wie er mit Vornamen heisst: Das ist ja auch in den sozialen Netzwerke die meistgestellte Frage. Hinweise gibt es ja einige.

Jankowsky lachend: „Das ist der “Runnig Gag“ der Serie, das weiß eigentlich keiner. In einer Folge sagte er selbst auf die Frage nach seinem Vornamen: “Kommissar“."

Als gebürtiger Bielefelder darf ich Sie fragen, wie finden sie eigentlich Bielefeld. Da war ihre Filmfigur ja nicht so erfolgreich.

Jankowsky: „Ich finde es ist eine schöne Stadt. Ich hab da sogar Verwandschaft.“

Wie oft werden Sie eigentlich mit Overbeck anstatt mit ihrem Namen Jankowsky angesprochen?

Jankowsky, grinsend: „Fast täglich. Aber das gehört wohl dazu. Bei meinen Freunden passiert das nicht, aber wenn mich die Leute auf der Straße sehen oder bei Lesungen ansprechen fast immer.“

Zu ihren Lesungen, hier war die Veranstaltung ja schnell ausverkauft, wie sieht es anderswo aus?

Jankowsky: „Das ist fast überall so, da ‚Wilsberg‘ so populär ist. Lesen ist für mich ganz wichtig. Ich habe schon immer auch gerne vorgelesen. Die Lesungen sind sozusagen mein zweites Standbein. Beim Lesen sorge ich anders als in den Filmen für den Spannungsbogen. Derzeit entwickeln wir das 6. Programm für eine Lesung, dass noch in diesem Jahr vorgestellt wird.“

Wenn Sie so oft unterwegs sind, Sie sagten sie haben bis zu 80 Lesungen pro Jahr, was sagt ihre Familie dazu, Sie haben ja auch noch eine kleine Tochter.

Jankowsky: „Die Serie und die Lesungen sind Teil meines Lebens. Meine Frau wusste, dass ich kein “Nine-To-Five-Typ“ bin, als sie mich kennenlernte. Ich versuche aber schon, eine Balance zu halten zwischen Beruf und Privatleben. So oft es geht, nehme ich die Familie mit, so z.B. auch zu den Dreharbeiten des letzten ‚Wilsberg‘ auf Norderney.“

Noch eine Frage zum Schluss: Was wäre noch eine Traumrolle für Sie?

Jankowsky: „Die eines richtigen Bösewichtes.“

Danke für das Interview.

Das Interview führte Reiner Toppmöller für den Nordlippischen Anzeiger.