Barntrup (red). Wer im Wohngebiet rund um die Triftstraße in Barntrup wohnt, kennt das Problem: Bei starkem Regen läuft das Wasser den Hang hinunter und sammelt sich auf der Straße oder gar in den eigenen Einfahrten. In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Überflutungen, vollgelaufene Keller und überflutete Grundstücke.
Damit soll jetzt Schluss sein. Die Hanglage des Wohngebiets macht die Situation besonders: Wenn es stark regnet, fließt das Wasser schneller, als es versickern oder abfließen kann. Die Folge: Das Wasser sucht sich seinen Weg über Straßen, Einfahrten und im schlimmsten Fall durch Kellerfenster und Türen.
Im Rahmen des laufenden Straßen- und Kanalausbaus installiert die Stadt Barntrup ein modernes unterirdisches Speichersystem, das Regenwasser im oberen und zugleich höchsten Punkt im Bereich der Triftstraße auffängt.
„Wir nutzen die Bauarbeiten, um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, erklärt Bürgermeister Borris Ortmeier. „Die Straße und die Kanäle werden ohnehin erneuert – da war es nur logisch, auch das Hochwasserproblem endlich anzugehen. Der Klimawandel ist Realität, Starkregen wird häufiger. Mit dieser Investition sind wir für die Zukunft gerüstet.“
Die Lösung ist ein sogenanntes Rigolensystem – ein unterirdischer Wasserspeicher, der wie ein riesiger Schwamm funktioniert. Direkt unter der Straßenoberfläche werden spezielle Kunststoff-Elemente eingebaut, jedes etwa so groß wie eine Europalette. Zusammen können sie mehrere Kubikmeter Regenwasser aufnehmen.
Bei Starkregen wird dann das Wasser von der Straße in den unterirdischen Speicher fließen.
Dort wird es zurückgehalten und kann nicht mehr unkontrolliert abfließen. Nach und nach versickert das Wasser dann kontrolliert in den Untergrund.
„Das Besondere an diesem System ist, dass es über 95 Prozent seines Volumens tatsächlich für Wasser nutzen kann“, erläutert Heiko Rampsel vom zuständigen Ingenieurbüro SR OWL. „Andere Systeme schaffen oft nur 30 bis 40 Prozent. Wir setzen hier auf die effizienteste verfügbare Technik.“
Die Stadt investiert bewusst in Qualität. Das verwendete System ist für mindestens 50 Jahre ausgelegt und hält selbst schweren Verkehr wie zum Beispiel Müllfahrzeuge problemlos aus. Sollte einmal eine Wartung nötig sein, kann das System mit einer Kamera inspiziert und bei Bedarf durchgespült werden – ganz ohne aufwendige Grabungen.
Die Stadt bittet die Anwohner um Verständnis für die unvermeidbaren Beeinträchtigungen während der Bauzeit. „Wir wissen, dass Baustellen nerven“, so Bürgermeister Ortmeier. „Aber am Ende haben alle etwas davon – ein sicheres, modernes Wohngebiet, in dem man auch bei Starkregen keine Angst mehr haben muss.“