Kreis Lippe (red). Von der Tonne auf den Boden: Bioabfälle sind kein wertloser Müll. Ganz im Gegenteil. Gut sortiert und verwertet kehrt der Bioabfall in den Kreislauf zurück. Sprich: aus den Resten einer Karotte entsteht etwa Erde, aus der neue Rüben wachsen. Daher ist es wichtig, dass Bioabfälle möglichst sortenrein sind. Nur so kann hochwertiger Kompost oder Dünger entstehen.
„Der Clou beim Biomüll ist, dass der Bürger aktiv daran beteiligt ist, vermeidlich ausgedienten Rohstoffen einen neuen Nutzen zu geben. Wortwörtlich ebnet man mit seinem Abfall den Boden von morgen“, erklärt Ulrich Schlotthauer, Geschäftsführer der Abfallbeseitungs-GmbH Lippe (ABG Lippe).
Zum Tag der Biotonne am Dienstag, 26. Mai, verteilt die ABG daher bei Anlieferungen auf den Recyclinghöfen Papiertüten für eine sachgerechte Entsorgung der Bioabfälle.

Bioabfall als
wertvoller Rohstoff

Im vergangenen Jahr wurden in Lippe über die Biotonne 36.000 Tonnen Bioabfall gesammelt und verwertet. In der Kompostierungsanlage auf der Maibolte in Lemgo entsteht aus den Abfällen u.a. hochwertiger Kompost. Er kommt in unterschiedlichen Anwendungsbereichen zum Einsatz. Landwirte nutzen Kompost vor allem für den Humusaufbau und als natürliches Düngemittel. Ebenso kann er im Garten- und Landschaftsbau zum Einsatz kommen.
Für Privatpersonen ist der Kompost für den Garten, im speziellen für den Obst- und Gemüseanbau, interessant oder als ein Bestandteil von Blumenerde. „Alle Einsatzbereiche haben gemein, dass der Kompost mineralische Düngemittel einspart. Diesen Umweltaspekt fördern wir auch mit dem Kompost-Abo. Privatpersonen erhalten gegen einen geringen Preis bis zu drei Tonnen direkt vom Kompostwerk“, sagt Schlotthauer. „Im vergangenen Jahr wurden rund 7.000 Tonnen Kompost an der Maibolte verkauft.“
Daneben wird der Bioabfall in Lemgo energetisch genutzt. Durch die Vergärung der Bioabfälle entsteht Biogas. Dieses wird in zwei Blockheizkraftwerken verbrannt. Im Ergebnis wird so jährlich über sechs Mio. kWh regenerativer Strom erzeugt, der in das Netz der Stadtwerke Lemgo eingespeist wird.

Was gehört
in die Biotonne?

Grundsätzlich dürfen Speisereste oder Gartenabfällen in der Biotonne entsorgt werden. In kleineren Mengen können auch Kaffeefilter, Teebeutel (ohne Metallclips) oder Papier(tücher) im Biomüll landen. Was jedoch nicht in die Biotonne gehört, obwohl es organischer Abfall ist, sind bspw. Kadaver oder Asche. Anders als der Name vermuten lässt, gehören die sogenannten kompostierbaren Bioplastikbeutel ebenfalls nicht in die Biotonne. „Fremdstoffe, wie zum Beispiel Kunststoffbeutel, erschweren den Verwertungsprozess. Wir müssen in den Anlagen die Stoffe umständlich entfernen – was wiederum finanziell und personell sehr aufwendig ist“, betont Schlotthauer. Er ergänzt: „Daher bleiben auch Tonnen stehen, bei denen der Bioabfall verunreinigt ist. Die betroffenen Abfallbehälter erhalten ein entsprechendes Hinweisschild beziehungsweise einen -aufkleber.

Rechtliche
Grundlagen

Seit 2015 regelt das Kreislaufwirtschaftsgesetz bundesweit die Sammlung von Bioabfällen. Es verpflichtet die Bürger und die Kommunen dazu, Bioabfälle getrennt zu sammeln und zu verwerten. Hierdurch wurde bundesweit die Biotonne eingeführt. Ausgenommen von der Nutzungspflicht sind aber weiterhin Bürger, die nachweislich auf dem eigenen Grundstück einen Kompost besitzen.
Übrigens: In Lippe wurde bereits in den 1980er-Jahren die grüne Tonne flächendeckend eingeführt.
Für die Verbesserung der Bioabfallqualität beschloss der Bund 2022 zudem die Novellierung der Bioabfallverordnung. Sie sieht unter anderem strengere Grenzwerte für Fremdstoffe, insbesondere Mikrokunststoffe, und Kontrollen vor.

Hintergrund zum
Tag der Biotonne am 26. Mai

Der „Tag der Biotonne“ wurde erstmals 2023 von der Bundesgütegemeinschaft Kompost e. V. ausgerufen. Ziel ist es, dass weniger Bioabfälle in der Restmülltonne landen und verwertet werden können. Zudem liegt der Fokus darauf, den Fremdstoffanteil im Biomüll zu mindern. Gefördert wird der Aktionstag vom Umweltbundesamt. Das Aktionsmotto 2026 ist „Der Boden beginnt hier“.