Barntrup (rr). Als vor Kurzem die erste von zwei öffentlichen Informations- und Dialogveranstaltungen über die am Mühlenstumpf geplante Freiflächen-Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher stattfand, war das Interesse der Barntruper derart groß, dass die Sitzplätze der Aula im Schul- und Bürgerzentrum gerade so ausreichten.
Befürworter und Gegner des rund 70 Hektar großen Projekts nahmen einträchtig die Informationen auf, welche von Dirk Tischmann, Dipl.-Geograph und Stadtplaner vom Stadtplanungsbüro Tischmann Loh und Partner aus Rheda-Wiedenbrück, Felix Rodenjohann vom Planungsbüro ansvar 2030 sowie dem Vorsteher des Landesverbands Lippe, Jörg Düning-Gast, vorgetragen wurden.
Eine ausführliche Bildpräsentation unterstützte die Ausführungen, während Bürgermeister Borris Ortmeier als Moderator nur gelegentlich rechtliche Positionen erläuterte, in denen sich die Stadt befindet. Zunächst befasste sich Dirk Tischmann mit den Verfahrensschritten, einen Bebauungsplan und eine Flächennutzungsplan-Änderung zu erreichen und hob hervor: „Der Aufstellungsbeschluss des Rates vom 21.04.2026 ist nur der erste notwendige Schritt – es gibt noch keine fertige Planung.“
Bevor die erste Beratung beginnen kann, ist zwingend eine frühzeitige Beteiligung der Bevölkerung und der Behörden vorangestellt, erst danach werde in die weitere Planung eingestiegen. Zur Verdeutlichung zeigte Tischmann, welche landwirtschaftlichen Flächen betroffen seien, welche Bruttoflächen es gäbe und wie sie womit bebaut würden. Zudem wies er auf das Bürgerbegehren hin, über dessen Zulässigkeit am 13. Oktober im Rat entschieden werde. Immerhin hatten die Projektgegner im Rathaus eine Unterschriftenliste mit 1.446 Unterschriften übergeben.
Dass sowohl eine Zustimmung als auch eine Ablehnung möglich sei, unterstrich Felix Rodenjohann vom Planungsbüro ansvar 2030. „Brauchen Europa und Deutschland Freiflächen-PV? Eindeutig ja. Muss dieses Kraftwerk in Barntrup gebaut werden? Ein klares Nein.“ Anschließend gab er einen Überblick über die Auswirkungen des Kraftwerks auf die Energiepreise in Barntrup, die Auswirkungen auf die Landschaft und die Möglichkeit der Barntruper, bei einem Engagement davon selbst zu profitieren.
Mit zahlreichen KI-generierten Fotos stellte er dar, dass die Freiflächen-Photovoltaikanlage zwar einen riesigen Flächenbedarf habe, jedoch durch adäquate Eingrünung, also Busch-, Baum- und Heckenbewuchs, quasi unsichtbar werde. Damit sei auch die Fernwirkung der PV-Flächen nur mäßig. Auch der finanzielle Aspekt sei nicht zu verachten. Bei einem festgeschriebenen Strompreis von 28 Cent/kw über 20 Jahre gegenüber dem Marktpreis von 43,1 Cent läge die jährliche Ersparnis in einem Beispielhaushalt bei über 70.000 Euro.
Jörg Düning-Gast vom Landesverband Lippe betonte, dass der Landesverband als Eigner großer landwirtschaftlicher Flächen natürlich damit Geld verdienen wolle, doch wenn nicht mit einem Verkauf an die Investoren, dann eben wie bisher mit der Verpachtung der Flächen. Jedoch sei zu bedenken, dass eine optimal gesicherte Stromversorgung bei steigendem Bedarf attraktiv für Industrieansiedlungen und den Zuzug von jungen Familien sei und ebenfalls Arbeitsplätze sichere und Kaufkraft in der Stadt halte.
Die Skepsis der Projektgegner drückte sich in zahlreichen Fragen aus, die teilweise von starkem Beifall begleitet wurden. „Im Rat wurde beschlossen, in den Tourismus zu investieren, da ist die große Anlage kontraproduktiv,“ „Welche Sicherheiten gibt es, damit der Strompreis 20 Jahre konstant bleibt?“, „Was bleibt konkret an Gewinn bei der Stadt?“ oder der Einwurf von Projektgegnerin Elke Urbschat „Was macht unseren Ort attraktiv? Wir leben gern auf dem Land, was wir lieben ist, wo wir leben.“ Die nächste Informationsveranstaltung findet am Donnerstag, 8. Oktober, um 18.30 Uhr statt.