Kalletal (jn/red). Eine ganz besondere Reisegruppe war in der vergangenen Woche in Kalletal zu Gast: Die ghanaische Delegation der Kalletaler Klima-Partnerkommune Ketu South Municipal District wurde mit einem offiziellen Empfang und Eintrag ins Goldene Buch willkommen geheißen.

Das Projekt hinter dem Treffen heißt „Kommunale Klimapartnerschaften“ – und bringt Kommunen unterschiedlichster Länder und Kontinente zusammen. Denn: Die Auswirkungen des Klimawandels bekommen sie alle zu spüren. Und wollen sich folgerichtig dazu austauschen, um voneinander lernen zu können und miteinander Verbesserungen herbeizuführen.


Gemeinsam gegen das, was alle Menschen auf der Erde ertragen müssen – auf den Punkt brachte es Maxwell Koffie Lugudor, Municipal Chief Executive der ghanaischen Delegation: „Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern!“

Erst im Februar diesen Jahres hatte der zuständige Kalletaler Fachausschuss beschlossen, sich um die Teilnahme am Klima-Projekt zu bewerben – die Zusage kam prompt. Gemeinsam mit der Stadt Eschweiler fand man die ghanaische Partnerkommune – und nach diversen vorausgehenden Online-Meetings kamen in der vergangenen Woche alle im Rathaus der Stadt Essen zusammen, um die Zusammenarbeit zu beurkunden. Insgesamt elf kommunale Klimapartnerschaften gibt es, eine davon ist die von Kalletal, Eschweiler und Ketu South.
Letztere ist einer der 18 Distrikte der Volta Region im Osten Ghanas und am Golf von Guinea gelegen. 253.122 Menschen leben hier auf einer Gesamtfläche von 261 Quadratkilometern.

Das Zusammentreffen wurde von allen Seiten offen und herzlich angegangen – und Kalletals Bürgermeister Mario Hecker zeigte sich sehr beeindruckt von seinem ghanaischen Gegenüber Maxwell Koffie Lugudor und seiner Delegation u.a. mit Fusena Omaru Sumaila (Administrative Secretary in Charge of Foreign Affairs) und Redeemer Mawunyo Sosa (Municipal Development Planning Officer). Ihre Art habe den Grundstein für eine Partnerschaft auf Augenhöhe gelegt, so Hecker.

Für alle Beteiligten wurde im Rahmen des Projektes klar, wie sehr wir alle in einem Boot sitzen: Auswirkungen des Klimawandels seien weltweit sichtbar, die Bilder oft austauschbar, so Hecker. Erfahrbar wurde das durch einen Trick der leitenden Klimaforscher aus Potsdam: Zwei Hochwasserbilder aus 2021 – aus Brasilien und dem deutschen Ahrtal – wurden nebeneinander gezeigt, die Bildunterschriften zunächst aber vertauscht. Absolute Ähnlichkeit. Auch andere Ähnlichkeiten in den globalen Auswirkungen wurden anhand der kommunalen Erfahrungsberichte (u.a. aus Mexiko, Deutschland, dem Kongo, Brasilien, Ghana) offenbar – für Kalletals Bürgermeister abermals eine wertvolle Erkenntnis.

Klimawandel? Nicht abzustreiten. Und dennoch: Die kommunalen Verwaltungen müssen sich stets erklären, warum sie zusammenarbeiten. Mario Hecker fasst zusammen, was da überall hilft: „Wir müssen erklären und erläutern, was wir mit unserer Zusammenarbeit bewirken können, z.B. leisten wir einen Beitrag zu internationalen Klimazielen, wir fördern das bürgerliche Bewusstsein für die globalen Zusammenhänge, setzen Klimamaßnahmen auf unserer Ebene um und lernen global gesehen voneinander.“ Weil man nur gemeinsam stark ist.
Um das zu erreichen, wird in den kommenden zwei Jahren ein gemeinsames Handlungsprogramm für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung erarbeitet. Konkrete Themen in jeder Kommune sind z.B. Abfallvermeidung und -sortierung sowie Kompostierung, hier kann Kalletal bereits mit dem „Zero-Waste“-Konzept anknüpfen.
Die Ergebnisse des Treffens der kommunalen Klimapartner werden im Kalletaler Rat vorgestellt.

Zurück zum Besuch der Gäste aus Ghana: Der offizielle Empfang war nur einer von vielen Programmpunkten, die man gemeinsam gut gelaunt abarbeitete – und zwischendurch noch einen Partnerschaftsbaum in die Erde brachte. Am zweiten Tag besuchte die ghanaische Delegation zum Beispiel die Alte Hansestadt Lemgo. Eine Stadtführung und Shopping standen auf dem Programm. Nachmittags war man zu Gast im Innovationszentrum in Dörentrup. Energieberater Matthias Ansbach hatte einen mehr als informativen Energiemix aus Photovoltaik, Biogas und Wasserstoff vorbereitet, der auf großes Interesse des Klimapartners aus dem globalen Süden stieß.

Am dritten und letzten Tag des Besuchers informierte dann der Kalletaler Revierförster Frank Homuth über die Arbeit des Landesverbandes Lippe und seine Versuchsflächen auf dem Kirchberg oberhalb Langenholzhausens. Er hatte dabei viele Informationen und Fakten für die ghanaische Delegation dabei. Im Anschluss besichtigte man die neue Sportanlage in Langenholzhausen.
Zum Abschluss Stand der Besuch des Recyclinghofes und der Kompostierungsanlage Maibolte in Lemgo auf dem Programm. Die Ghanaer waren begeistert vom technischen Knowhow, das hervorragend vermittelt wurde.

Mit vielen Eindrücken machten sich die Gäste wieder auf den Weg in Richtung Ghana, wo im Frühjahr des nächsten Jahres die Delegation aus Kalletal erwartet wird, um – in Ketu South und Kalletal – ein Stück des Gesichtes der Welt zu verändern.